“Addicted to Plastic” (2008) und “Plastic Planet” (2009)

Jeder, der darüber nachdenkt, wird sich darüber im Klaren sein, dass es zur Zeit mehr als genug Umweltprobleme gibt. Katastrophen wie die von Fukushima sind nur der sichtbare Teil des Eisberges, auf den wir zuschwimmen. Über den Kampf ums Öl und wohl in näherer Zukunft auch ums Wasser habe ich in meinem Blog ja schon berichtet.

Ein anderes drängendes Problem, über das zwei Filme ausführlich berichten, ist das Problem mit dem Plastik auf unserem Planeten (der entsprechende Wikipedia-Eintrag zum Plastik geht auch kurz auf die Umweltproblematik in Zusammenhang mit diesem Stoff ein).

Der erste Film ist von Ian Connacher und heißt “Addicted to Plastic“. Der zweite ist von Werner Boote und heißt “Plastic Planet“. Beide Filme berichten mit Humor und Engagement und zugleich wissenschaftlich ausführlich über das Problem, das wir mit dem Plastik haben.

Was ist nun das Problem mit dem Plastik? Nun, ich brauche das Rad nicht neu erfinden, die anderen deutschen Journalisten sind auch nicht untätig und berichten auch über solche Umweltthematiken.

Die “Süddeutsche Zeitung“, die auch bei mir morgens auf dem Küchentisch liegt, hat schon in der letzten Zeit ausführlich über das Problem berichtet.

Zwei Artikel aus der “Süddeutschen Zeitung” lege ich euch ans Herz, damit ihr sie mal durchlest: Zum einen landet ein Großteil des Plastikmülls am Ende im Meer, weshalb folgender Artikel mit dem Titel “Stöpsel, Tüten, Badeenten” die Problematik genau beleuchtet. Treibgut besteht heute zum größten Teil aus Plastik, denn der meiste Kunststoffabfall (ca. 80%) endet im Meer. Manche Fachleute schätzen, dass bereits 100 Millionen Tonnen in den Ozeanen schwimmen. Das Plastik zerfällt dabei mit der Zeit in Kleinstpartikel und gerät so über die Mägen der Fische, die diese Plastikteile mit Plankton verwechseln, in die Nahrungskette des Menschen. Die Fische und Vögel verenden übrigens auch oft an dieser unverdaulichen Kost.

In vielen Meeresabschnitten treiben mittlerweile mehr Plastik-Kleinstpartikel als Plankton im Wasser, und an manchen Stränden wird das Verhältnis von Plastikkörnern zu Sandkörnern mittlerweile auf 1 zu 10 geschätzt, Tendenz natürlich steigend, denn jährlich wird immer mehr Plastik weltweit produziert. Der Grundstoff zur Plastikherstellung ist übrigens Erdöl, weshalb ein nicht geringer Teil des weltweiten Erdölverbrauchs mittlerweile auch auf das Konto der Plastikindustrie geht.

Hinzu kommt, dass manche Grundsubstanzen moderner Kunststoffe, zum Beispiel das in Millionen  Kunststoffprodukten enthaltene Bisphenol A, im Verdacht stehen, hormonell zu wirken und Nervenleiden zu fördern. Weiterhin experimentiert die Kunststoffindustrie pausenlos mit neuen Verbindungen und Zusatzstoffen. Viele davon sind Weichmacher, Farbstoffe und Flammschutzmittel, Stoffe, die für den Menschen potentiell giftig und schädlich sein können, auch krebserregend, und die über Plastikprodukte wie Kunststoffflaschen für Getränke direkt in die Nahrungskette des Menschen gelangen.

Einen weiteren erhellenden Artikel zum Thema hat die “Süddeutsche Zeitung” unter dem Titel “Der Plastik-Planet” veröffentlicht, in dem nochmals alle wichtigen Fakten zusammengetragen werden. Deshalb möchte ich mich selbst hier kurz fassen, meine Journalistenkollegen von der “Süddeutschen Zeitung” haben hier gute Arbeit geleistet, und die Artikel sind nur wenige Wochen alt und daher aktuell.

Natürlich sollte man das Plastik nicht verteufeln. Plastik ist in vieler Hinsicht auch ein Segen für die Menschheit, wie die Patrick Illinger von der “Süddeutschen Zeitung” zurecht feststellt.

“Zweifellos: Kunststoffe haben das Leben auch bereichert. Windrotoren, Kabel, moderne Brücken, Sportgeräte und medizinisches Werkzeug aller Art gäbe es ohne synthetische Materialien nicht”.

Aber Kunststoffe sind eben nicht nur auch Segen, sondern im Falle der vielen Verpackungsmaterialien, die über die Jahrhunderte nur langsam verrotten, auch ein Fluch. Es wird einfach zuviel Plastik hergestellt, und zuviel für den Zweck der Verpackung und für Wegwerfprodukte. Nochmals Patrick Illinger:

“Rund 250 Millionen Tonnen Kunststoffprodukte werden jährlich weltweit produziert, vor 30 Jahren war es nur ein Viertel davon. Allein in Deutschland setzt die Kunststoffindustrie jährlich 40 Milliarden Euro um. 240.000 Beschäftigte arbeiten in der Branche. Ein Drittel aller verarbeiteten Kunststoffe werden für Verpackungen und Wegwerfartikel verwendet. 2,7 Millionen Tonnen Plastikverpackungen entstehen jedes Jahr in Deutschland. Die meisten davon schneidet man einmal auf und wirft sie weg”.

Es gibt mittlerweile natürlich auch biologisch abbaubare Kunsstoffe, und manche Hersteller von zum Beispiel Nahrungsmitteln setzen sie als Verpackung auch schon ein. Allerdings sind auch diese biologisch abbaubaren Kunststoffe nicht immer unproblematisch und können ökologisch gesehen ebenfalls schädlich sein (Seht hierzu ebenfalls einen Artikel aus der “Süddeutschen Zeitung” mit dem Titel “Biologisch abbaubarer Kunststoff – Eine saubere Alternative?“) Ganz leicht ist das Problem also nicht zu lösen.

Die Plastikindustrie, deren Chefs in beiden Filmen zu Wort kommen, verharmlost natürlich die ganze Problematik und tut so, als gäbe es hier eigentlich kein Problem. Aber das ist verständlich, das Plastikgeschäft ist “Big Business” mit riesigen Gewinnen.

Wen von euch das Thema interessiert, der kann zum einen die Artikel aus der “Süddeutschen Zeitung” durchlesen, die ich hier verlinkt habe.

Man kann aber auch die durchaus spannenden und kurzweiligen Filme von Ian Connacher und Werner Boote anschauen. Man kann sie auch im Falle von “Plastic Planet” von Werner Boote zum Beispiel bei amazon.de käuflich erwerben. Man kann sie aber auch in YouTube online zum Nulltarif anschauen.

“Plastic Planet” von Werner Boote ist zur Zeit in YouTube hochgeladen.  Auch “Addicted to Plastic” von Ian Connacher ist unter anderem in einer Version in drei Teilen in YouTube hochgeladen. Der Film wurde seinerzeit unter dem Titel “Plastik über alles” in ARTE gezeigt, in deutscher Übersetzung. Hier die Links zu den drei Teilen dieser deutschen Version: Teil 1, Teil 2, Teil 3.

Creative Commons Lizenzvertrag“Addicted to Plastic” (2008) und “Plastic Planet” (2009)Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

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