“Blue Gold: World Water Wars” (2008) und “Flow: For love of Water” (2008)

Ich habe in den letzten Tagen zwei Filme gesehen, die sich mit der weltweiten Wasserwirtschaft beschäftigen: Zum einen “Blue Gold: World Water Wars” (2008)von Sam Bozzo und “Flow: For Love of Water” (2008) von Irena Salina.

Ich werde nachfolgend summarisch die wichtigsten Fakten aus beiden Filmen präsentieren.

Einige von euch werden es wissen, vielleicht viele aber auch nicht: Das Geschäft mit dem Wasser ist ein Riesengeschäft weltweit.

Seht hierzu auch den Wikipedia-Eintrag: Wasser als Handelsware und einen Artikel aus “Die Zeit” vom Jahre 2003 mit dem Titel “Die H2O-Geschäfte“.

Schon damals kündigte sich das große Geschäft mit dem Wasser an.

Eines der Grundlagenbücher zum Thema ist von Maude Barlow/Tony Clarke: Blaues Gold. Das globale Geschäft mit dem Wasser, München: Kunstmann 2004, das auch als eine Grundlage für den obengenannten Film “Blue Gold: World Water Wars” von 2008 diente.

Der Wasserverbrauch unseres derzeitigen Wirtschaftssystems ist gigantisch, und das ist ökologisch gesehen sogar in den wasserreicheren Ländern zunehmend ein Problem.

Ungefähr 70% des Wassers geht in die Landwirtschaft, 20% in die Industrie, und nur 10% sind für den häuslichen Gebrauch.

Ein Industrieprodukt wie zum Beispiel ein Auto benötigt in der Herstellung ca. 300.000 Liter “virtuelles Wasser“, das heißt Wasser, das zur Herstellung eines Produkts gebraucht wird. Noch exorbitanter ist der Wasserverbrauch in der Landwirtschaft. Manche landwirtschaftlichen Produkte wie zum Beispiel Kaffee verbrauchen in der Herstellung extrem viel Wasser. Eine Tasse Kaffee verbraucht 140 Liter virtuelles Wasser.

Das führt dazu, dass in vielen Ländern wesentlich mehr Grundwasser abgepumpt wird, als sich durch Regenniederschlag neu bildet. So wird in den USA schätzungsweise fünfzehnmal mehr Grundwasser abgepumpt als sich neu bildet, wobei die Zahlen sehr ungewiss sind, denn niemand weiß genau und kann genau berechnen, wieviel Grundwasser im Boden wirklich enthalten ist.

Der aktuelle Klimawandel verstärkt das Problem, da die Temperaturen steigen und die Niederschlagsmengen zurückgehen. Negativ wirken sich auch die Abholzungen von Wäldern wie zum Beispiel im Amazonas aus. Und auch die Tatsache, dass viele Böden zunehmend im städtischen Gebieten zubetoniert und zugeteert werden, ist für das Zurückhalten des Regenwassers, genau wie die Abholzung der Wälder in manchen Weltgegenden, schädlich. In den Häusern der Städte hingegen wird in der Regel mehr Wasser verbraucht, als sich in der städtischen Umgebung natürlich bildet.

In manchen Gegenden der Welt, zum Beispiel im Südwesten der USA, sind die daraus entstehenden Probleme zunehmend ernsthaft und potentiell massiv. Dort wird viel mehr Wasser durch die Städte verbraucht als in der umgebenden Natur vorhanden ist. Städte wie zum Beispiel Los Angeles zehren gnadenlos von den Wasserreserven ihrer natürlichen Umgebung.

Das Wassergeschäft hingegen ist in vielen Ländern mittlerweile privatisiert. In Frankreich gibt es schon seit den Zeiten Napoleons eine Tradition der privaten Wasserversorgung.

Zu den großen französischen Unternehmen zählt Suez. Zu den deutschen Unternehmen zählt Veolia. Unter Thatcher wurde auch in England die Wasserversorgung privatisiert. Zu den großen englischen Wasserversorgern zählt Thames Water. In den USA ist vor allem der Industrieriese Bechtel im Wasserversorgungsgeschäft aktiv.

Der Neoliberalismus hat auch im Wasser, eigentlich traditionell ein öffentliches Gemeingut, ein großes Geschäft und einen großen Markt erkannt und es handelt sich im Fall der privaten Wasserversorgung dabei nach den Aussagen der beiden Filme aktuell um ein Geschäft mit einem Umsatzvolumen von jährlich ca. 400 Milliarden Dollar weltweit.

Seht hierzu auch den Artikel des Wirtschaftsgeographen Pascal Ehrhardt mit dem Titel “Der Weltmarkt Wasser (die kapitalistische Sicht der Welt) Chancen und Risiken” in “Waterforum.com“.

Dabei ist die Privatisierung der Wasserversorgung für den Verbraucher immer ein Verlustgeschäft: Die private Wasserversorgung arbeitet gewinnorientiert, während die öffentliche Wasserversorgung in der Regel nur auf die Deckung der entstehenden Kosten achtet. Daher müssen im Geschäft mit der privaten Wasserversorgung erhebliche Gewinne erzielt werden, für die letztlich natürlich der Verbraucher aufkommt.

Die private Wasserversorgung ist in der Regel immer teurer als die öffentliche.

Für die ärmeren Dritte-Welt-Länder kann eine private Wasserversorgung bedeuten, dass die ärmsten Bürger der jeweiligen Städte sich das saubere Wasser nicht mehr leisten können.

An manchen Orten hat es deshalb schon massive Aufstände gegeben, so zum Beispiel in Bolivien in Cochabamba, wo die Proteste der Aktivisten und der Bevölkerung letztendlich dazu geführt haben, dass das Modell der privaten Wasserversorgung in diesen Städten aufgegeben und die entsprechenden Firmen (in diesem Fall “Aguas de Tunari“, ein Ableger von Bechtel) aus dem Land hinausgeworfen wurden.

Die Hauptleidtragenden dieses zynischen Geschäfts mit einem absolut lebensnotwendigen Gut (= Trinkwasser) sind also die ärmsten Bewohner der Dritte-Welt-Länder. Die können sich das saubere Trinkwasser der privaten Wasserversorger oft nicht leisten und in ihrer Verzweiflung trinken sie dann das kontaminierte Wasser der Flüsse und Wasserlöcher in der Umgebung der Städte und auch kleineren Ortschaften.

Ein Großteil der Kindersterblichkeit in diesen Ländern geht auf Kosten des verseuchten Wassers, das die Kinder der armen Eltern in diesen Dritte Welt-Ländern in Ermangelung eines Besseren trinken müssen.

Würde man in diesen Dritte-Welt-Ländern allen Menschen, auch den ärmsten, sauberes Trinkwasser zur Verfügung stellen, könnte man einen Großteil der Kindersterblichkeit in diesen Ländern beseitigen und auch die Erwachsenen lebten dann in der Regel wesentlich gesünder.

Das Bittere an dieser Sache ist folgendes: Das Mineral-, bzw. Flaschenwassergeschäft umfasst weltweit nach Schätzungen der Experten finanziell ein dreimal größeres jährliches Umsatzvolumen als benötigt würde, um allen Menschen auf dieser Welt sauberes Trinkwasser zur Verfügung zu stellen.

Das heißt im Klartext: Würden wir alle anstatt des Mineral- oder Flaschenwassers das in Ländern wie Deutschland in der Regel mindestens genauso gute Leitungswasser trinken und das dadurch ersparte Geld den ärmsten Ländern zur Verfügung stellen, könnten diese es sich leisten, alle ihre Bürger, auch die ärmsten, mit sauberem Trinkwasser zu versorgen.

Das globale Mineralwassergeschäft hat ein geschätztes jährliches Umsatzvolumen von ca. 90 Milliarden Dollar (der amerikanische Wikipedia-Eintrag zu “Bottled Water” redet von 60 Milliarden Dollar Umsatzvolumen), während es nach Schätzungen von Experten ca. 30 Milliarden Dollar jährlich kosten würde, um den ärmsten Menschen dieser Welt sauberes Trinkwasser zur Verfügung zu stellen.

Das Geschäft mit dem Mineralwasser, das zeigen beide Filme ganz deutlich, ist zumindest in Ländern mit einer guten Leitungswasserqualität wie Deutschland im Prinzip ein Humbug (seht hierzu auch den Artikel mit dem Titel “Mineralwasser: Ein internationales Milliardengeschäftim BlogJungeMedien-Hamburg.deund den ArtikelTeurer Sprudel: Das Geschäft mit Mineralwasser boomt — obwohl Leitungswasser viel billiger ist und genauso gesund” im “Greenpeace Magazin 1.03″): Das Wasser zur Herstellung des Flaschenwassers wird den Flüssen und Quellen von Gemeinden entnommen, die dafür oft nicht einmal Gebühren verlangen. Dann wird dieses Wasser mit Kohlensäure versetzt (es gibt natürlich auch die Variante ohne Kohlensäure) und in Flaschen abgepackt und schließlich für teures Geld als sogenanntes “Mineralwasser” verkauft (Eine Flasche Mineralwasser kostet in den USA bis zu 2 Dollar).

Es handelt sich bei diesem sogenannten “Mineralwasser” in der Regel um ganz gewöhnliches Wasser, wie es auch aus den Wasserhähnen der Häuser in den entsprechenden Gemeinden praktisch zum Nulltarif läuft.

Die Flüsse und Quellen dieser Gemeinden versiegen als Folge der massiven Wasserentnahme öfters, weshalb die Bürger solcher Gemeinden zum Beispiel in den USA sich gelegentlich schon gegen Firmen wie Nestlé und Coca-Cola zur Wehr gesetzt haben und es manchmal auch erreicht haben, dass die jeweilige Produktionsanlage der entsprechenden Mineralwasserfirma geschlossen oder ihre Errichtung verhindert wurde. Auch in den Dritte-Welt-Ländern wie Indien haben es die Aktivisten gelegentlich erreicht, dass die Produktionsanlagen der entsprechenden Mineralwasser- oder Getränkefirmen geschlossen wurden.

Das Wasser wird in der Zukunft mehr noch also heute schon das sogenannte “Blaue Gold” sein. Und das Geschäft mit dem Wasser – wenn das Wasser in der Zukunft in vielen Gegenden der Welt zunehmend knapp wird – dürfte dann zu einem der größten Geschäfte weltweit werden, vielleicht mit einem noch größeren Umsatzvolumen als aktuell das Ölgeschäft.

Schon jetzt werden in trockenen Gegenden harte Kämpfe, sogar Kriege um Zugänge zu Flüssen und Quellen geführt, und die verfeindeten Länder graben sich in solchen Gegenden oft gegenseitig das Wasser ab.

Es gibt Anzeichen dafür, dass Supermächte wie zum Beispiel die USA mittlerweile auch beginnen, sich nicht nur die weltweiten Ölreserven (die vor allem in der Golfregion liegen), sondern auch die weltweiten Wasserreserven zu sichern.

Beide Dokumentarfilme weisen darauf hin, dass die aktuelle Wasserpolitik gerade auch in den USA verändert werden müsste, in Richtung auf einen vernünftigeren Wasserverbrauch und eine Politik der Nachhaltigkeit.

Vor allem mit dem massiven Abpumpen des Grundwassers muss Schluss gemacht werden, die Agrarbewässerungstechniken müssen wassersparender werden (der Agrarbereich verschlingt den Löwenanteil des verbrauchten Wassers) und Techniken müssen entwickelt werden, um das Regenwasser möglichst gänzlich aufzufangen und zu  nutzen.

Diese Technologien existieren alle schon, sie sind teilweise sogar simpel, und sie müssen nur breit eingesetzt werden, um entsprechende Erfolge zu erzielen.

Das Problem mit dem Wasser ist also auf keinen Fall unlösbar.

Beide Filme sind zur Zeit in mehreren englischen Versionen in YouTube aufzufinden.

Creative Commons Lizenzvertrag“Blue Gold: World Water Wars” (2008) und “Flow: For love of Water” (2008)Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

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