Die “Bankster”: Besser als die Finanzdienstleister?

In meinem letzten Blogeintrag habe ich über Carsten Maschmeyer und die Finanzvertriebe geredet, die mit windigen Produkten mit hohem Provisionsanteil ihre Kunden oft ruinieren (Siehe meinen letzten Blogeintrag: “Carsten Maschmeyer: Der `Drückerkönig´ des AWD“). Zu diesen Finanzvertrieben, die oft zweifelhafte Produkte an den Mann gebracht haben und wohl immer noch bringen, zählt nicht nur der AWD, sondern auch MLP oder die DVAG, und es gibt noch zahlreiche andere dieser Finanzvertriebe.

Viele Leser dieses Blogs und auch die Leser anderer Medien, die kritisch über die Finanzvertriebe berichten, werden nun denken: “Wenn´s so ist, gehe ich doch lieber zu meiner Hausbank, da habe ich mehr Vertrauen”.

Nun, wer so denkt, sitzt möglicherweise einem gefährlichen Trugschluss auf.

Das Bankengeschäft ist heutzutage, unter den Bedingungen eines wildgewordenen, marktautoritären Kapitalismus (man denke nur an die internationale Finanzkrise ab 2007, die im Jahr 2007 die weltweite Ökonomie erschütterte und heute noch in vielen Ländern – wie zum Beispiel dem Ursprungsland der Krise, den U.S.A. – bösartige Auswirkungen zeigt) keineswegs mehr ein seriöses Geschäft, in dem die Interessen der Kunden im Mittelpunkt stehen.

Vielmehr ist auch in diesen Bereich längst Schwindel und Abzocke zum Standard geworden, nicht wenige Kunden werden durch die Banken und ihre oft windigen Produkte finanziell beschädigt oder gar ruiniert, nicht anders als die Kunden der obengenannten Finanzvertriebe.

Wie sieht es nun mit der Qualität der Beratung in den Banken in Deutschland aus? Im Netz gibt es hierzu mehr als genug Informationen, und ich werde mich bemühen, die wichtigsten dieser Informationen in diesem Blogeintrag über die “Bankster” und ihre Methoden zu präsentieren.

Zum einen handelt es sich hier nicht nur um ein nationales deutsches Problem, sondern um ein weltweites, für uns konkret europaweites Problem. Darüber berichtete “Focus Online Money” schon im September des Jahres 2009. Damals hieß es in einer kurzen Meldung:

“In die Diskussion um die Qualität der Bankberatung hat sich auch die EU-Kommission eingeschaltet. Verbraucherkommissarin Meglena Kuneva stellte der Beratung insgesamt ein schlechtes Zeugnis aus. „Probleme gibt es bei der Zuverlässigkeit der Anlageempfehlungen und mit eingebauten Interessenkonflikten.“

Konkret kritisierte die EU-Kommissarin mehrere Punkte, von der komplizierten Preisgestaltung über versteckte Kosten bis zu unvollständigen Informationen. Die Kritik gilt besonders für die Anlageberatung in Deutschland. Bei einem anonymen Test hatten 24 von 25 Beratern den Kunden unangemessene Produkte angeboten.

Der Schaden durch Falschberatung beläuft sich nach Aussage der EU allein hierzulande jährlich auf bis zu 30 Milliarden Euro. Die EU-Kommission will nun diese Mängel beobachten und prüfen, ob sie einschreiten muss. (…). Die Anlegerschützer kritisieren seit Langem die Qualität der Bankberatung in Deutschland und fordern Verbesserungen in mehreren Punkten”.

Deutschland stand also damals in diesem Bereich besonders schlecht dar. Die “Stiftung Warentest” hat jeweils im Jahre 2009 und 2010 zwei umfangreiche Bankentests durchgeführt, in denen im Rahmen von Beratungsgesprächen die Testkunden (tatsächlich Mitarbeiter der Zeitschrift “Finanztest”) jeweils 30.000 Euro, bzw. im zweiten Test 35.000 Euro anlegen wollten.

Beim ersten Test im Jahre 2009 erreichte keine der 21 Banken das Prädikat “gut”. “Stiftung Warentest” wörtlich:

“Ein Jahr nach Lehman ist die Beratung der Banken noch so schlecht wie ihr Ruf. Das ist das Ergebnis aus 147 Beratungsgesprächen – geführt rund zwölf Monate nachdem die Pleite der US-Großbank die üblen Verkaufsmethoden der Banker ans Licht gebracht hatte. Im aktuellen Test der Anlageberatung durch die Zeitschrift Finanztest war keine Bank `gut´, zwei waren sogar `mangelhaft´.”

Die besten Berater, bzw. Banken erreichten also gerade einmal ein schlechtes “befriedigend”, die restlichen Banken landeten auf einem “ausreichend” oder gar “mangelhaft” (Zu diesem Test siehe den entsprechenden Artikel auf der Website von “Stiftung Warentest”. Zu den Testergebnissen in kompakter Form siehe die entsprechende Ergebnistabelle des Tests).

Unter dem Titel “Die Blamage geht weiter” präsentierte dann die “Stiftung Warentest” die Ergebnisse des zweiten Testlaufs im Jahre 2010. “Stiftung Warentest” wörtlich:

Knapp ein Jahr nach der letzten Unter­su­chung hat Finanztest erneut Testkunden in die Filialen geschickt. Fazit: Die Bera­tung der Banken ist immer noch schlecht. Sechs Anbieter sind mangelhaft. Sie händigten in mehr als der Hälfte der Fälle kein Bera­tungs­protokoll aus – obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet gewesen wären.

Testergebnis schlechter

Schon im Sommer 2009 waren die Tester von Finanztest in Deutschlands Geldhäusern unterwegs. Das Testergebnis damals war eine große Blamage: Obwohl der Test eine einfache Aufgabe zum Inhalt hatte, schnitt keine einzige Bank gut ab, zwei waren mangelhaft. Die Tester erwarteten jetzt, dass die Banken aus ihren Fehlern gelernt und Konsequenzen gezogen hätten. Das war zu optimistisch. Das Ergebnis ist diesmal sogar noch verheerender: Keine einzige Bank ist gut. Sechs Institute erhielten die Note mangelhaft, darunter Postbank, Hypovereinsbank und Targobank (siehe Tabelle Testergebnisse Anlageberatung).

Banken missachten Gesetze

Das größte Problem der Banken ist: Sie missachten Gesetze. Sie müssen, und zwar noch bevor sie eine Anlage empfehlen, die Kunden nach ihren finanziellen und persönlichen Verhältnissen fragen. Sie sind verpflichtet zu ermitteln, welches Ziel die Kunden mit ihrer Geldanlage erreichen wollen und welche Kenntnisse und Erfahrungen sie haben. Das hat nicht geklappt – und das, obwohl die Banken selbst hoch und heilig Besserung gelobt hatten.

Kein Beratungsprotokoll

Seit 2010 sind die Institute zudem verpflichtet, über jedes Anlagegespräch, in dem sie Wertpapiere ansprechen, ein Beratungsprotokoll anzufertigen und auszuhändigen. Auch das klappte nicht. In 126 von 146 Beratungsgesprächen war die Rede von Wertpapieren und ein Beratungsprotokoll wäre Pflicht gewesen. Aber nur 61-mal gab es eines. 65-mal haben die Berater ihre Pflicht nicht erfüllt.

Anlageproblem besser gelöst

Die Qualität der Anlageberatung – der eigentliche Mittelpunkt des Tests – gerät wegen der Gesetzesverstöße fast in den Hintergrund. Dabei haben sich die Banken hier verbessert. Das mag auch daran liegen, dass der Testfall ein wenig anders aufgebaut war als beim vergangenen Mal: Die Testkunden wollten 35 000 Euro für zehn Jahre anlegen – anders als beim vergangenen Test nicht absolut sicher. Sie waren bereit, Risiken einzugehen, wollten aber, dass am Ende der Laufzeit zumindest ihr eingesetztes Geld vorhanden ist. Zudem legten sie Wert darauf, dass sie im Notfall über ihre Anlage schon vor Ablauf der zehn Jahre verfügen können – wenn es sein muss, auch mit Verlust.

Die Anlageempfehlungen

Wichtig war den Testern, dass die Berater die 35 000 Euro nicht in eine einzige Anlage steckten. Einen solchen Betrag sollten Anleger auf mehrere Produkte verteilen. Im Testfall führte an einem Mix ohnehin kein Weg vorbei: Wenn ein Anleger zwar Risiken eingehen will, aber Wert auf Kapitalschutz legt, braucht es in der Regel mehrere Geldanlagen – riskante und sichere. Die meisten Berater haben einen zu riskanten Anlagemix oder auch nur eine einzige riskante Anlage empfohlen und damit das Ziel gefährdet, am Ende der Laufzeit mindestens das eingesetzte Geld.

Beide Tests der “Stiftung Warentest” und vor allem der wiederholte, zweite Test mit seinem katastrophalen Ergebnis wurde in den Medien viel kommentiert. “Spiegel Online” titelte: “Verbraucherschützer strafen Bankberater ab“. “tagesschau.de” titelte “Bankberatung weiter `jämmerlich´”. “Focus Online Money” titelte “Katastrophales Zeugnis für Bankberater“.

Schaut man sich nun diese Misere genauer an, fragt sich natürlich, was eigentlich hinter der liederlichen Qualität der Bankberatung steckt. Das heißt, welche Ursachen hat nun diese Beratungsmisere bei den Banken?

Ganz einfach, der Druck auf die Bankberater, möglichst viele Abschlüsse zu tätigen, bzw. möglichst viele Kunden an Land zu ziehen, ist mittlerweile enorm.

Während noch vor zwanzig Jahren der Druck auf die Bankberater erträglich und die Qualität der Beratung meist akzeptabel war, ist das Geschäft der Bankberater mittlerweile ein “Drückerbusiness” geworden, vergleichbar mit dem der Berater, die für Finanzvertriebe arbeiten (siehe hierzu nochmals meinen Blogartikel: “Carsten Maschmeyer: Der `Drückerkönig´ des AWD“).

Das “Handelsblatt” äußerte sich in einem Artikel “Verkaufsmaschine Vertrieb. Wenn der Berater dem Kunden schadet” im Jahr 2007 noch zurückhaltend über die Methoden der Bankberater:

“Das sind typischerweise mehrere Prozent des Ordervolumens. Dazu kommen Anteile an den laufenden Gebühren der Produkte. „Die umsatzgetriebenen Einnahmen in Deutschland bei Zertifikaten und Investmentfonds dürften sich in Milliardenhöhe bewegen“, vermutet Karl-Matthäus Schmidt, Vorstandssprecher der Quirin Bank.

„Viele Banken machen provisionsgetriebene Geschäfte, und die Berater geraten immer stärker unter Umsatzdruck“, sagt der Deutschland-Chef einer der weltweit größten Anlagegesellschaften. „Die Ertragsvorgaben bei den Banken steigen, das kann man fast nur durch schnelleres Kaufen und Verkaufen in den Depots erreichen“, sagt auch Rüdiger Sälzle, Geschäftsführer von Fonds Consult”.

Niels Kruse hat im März 2010 einen Artikel im “Stern” veröffentlicht mit dem Titel “Ein Bankberater packt aus” und wird dann ganz deutlich. Untertitel des Artikels: “Haben Bankberater die Interessen ihrer Kunden noch im Blick? Hier erzählt ein Berater aus seinem höllischen Alltag – und wie er und seine Kollegen zur Drückerkolonne der Branche verkommen sind”.

In diesem erhellenden Artikel heißt es unter anderem wörtlich:

“Bankberater gehören zur Drückerkolonne der Manager. Verkaufen, verkaufen, verkaufen, heißt die Devise – um jeden Preis. Der Druck ist grotesk, das Wohl des Kunden nicht mehr als Lippenbekenntnis. “Die Moral in unserer Branche bleibt immer öfter auf der Strecke. Anders sind die vorgegebenen Ziele auch nicht zu erreichen”, sagt Holtrich. Und so wird in der Branche getrickst, geschachert und untergejubelt: Genauso wie vor der großen Krise”. (…).

Die Bank als Freund und Helfer – das war einmal

Manuel Holtrich kann ein Lied davon singen, wie das Geschäft mit dem Vertrauen Schritt für Schritt pervertiert worden ist. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet er in der Branche, seit Anfang der 1990er bei einer großen Bank in Hannover in der Privatkundenbetreuung. Früher, erzählt er, habe man sich Investments herausgesucht, dazu die passenden Kunden und mit ihnen das Für und Wider erörtert. Heute sei das ganz anders, berichtet er.

Das ganze Elend fängt demnach schon am Telefon an. Einen großen Teil seiner Arbeitszeit verbringt Holtrich laut eigenen Aussagen damit, seinen Kundenstamm abzutelefonieren. “Wir müssen 20 Termine pro Woche vor Ort machen, also in der Filiale”, sagt er. Die Überlegung der Bankvorstände dahinter ist offensichtlich und wird durch Untersuchungen mit einem wenig überraschenden Ergebnis belegt: Kunden sind im Vier-Augen-Gespräch eher dazu bereit, Verträge abzuschließen als etwa fernmündlich.

Das Erreichen der Terminquote ist Holtrichs Chefs so wichtig, dass in seiner Bank bereits am Mittwoch 60 Prozent aller Termine für die nächste Woche feststehen müssen, freitags dann 100 Prozent. “In einer Mail unseres Regionalbereichsleiters heißt es klipp und klar: ‘Niemand geht am Freitag ohne ausreichende Terminquote nach Hause’. Wenn ich also Pech habe, sitze ich bis spätabends im Büro und versuche auf Teufel komm raus, Kunden in die Filiale zu bestellen.” Wenn es immer noch nicht so läuft, wie es sich die Vorgesetzten vorstellen, gibt es unangenehme Rechtfertigungsgespräche beim Chef – mindestens wöchentlich, oft täglich, manchmal sogar stündlich. Bankberater sind mittlerweile Drückerkolonnen im Anzug”.

Die Dienstleistungsgewerkschaft “ver.di” hat unter dem Titel “Verkaufsdruck: Nein, Danke” ein eigenes Portal für den Bereich Finanzdienstleistungen eingerichtet. Dort heißt es in den ersten Zeilen:

ver.di fordert: Faire Beratung im Kreditgewerbe und Schluss mit dem unwürdigen Vertriebscontrolling”.

In diesem Portal befinden sich viele interessante Informationen zum Thema, eingebettete Fernsehberichte und vor allem viele Kommentare von Bankberatern, die mit ihrem Latein und ihren Nerven am Ende sind und die harsche Kritik am Führungsmanagment der Banken üben, das einen geradezu unwürdigen und unmenschlichen Druck auf die Bankberater ausübt, die schon von den Zielvorgaben des Führungsmanagments her gar nicht mehr in der Lage sind, eine qualitativ überzeugende Arbeit zu leisten.

Der Begriff “Berater” ist für den Bereich der Finanzdienstleister und Banken sowieso ein irreführender. Bankberater oder Berater des entsprechenden Finanzvertriebs sind keine “Berater”, sondern zumindest heute, im Zeitalter des wildgewordenen, marktautoritären Kapitalismus, im Prinzip einfach Verkäufer. Und sie verkaufen in der Regel das Produkt, das vom Führungsmanagment empfohlen wird und in der Regel auch am meisten Provision bringt.

Die Website “finanzdeutsch.debringt die Sache in einem entsprechenden Artikel auf den Punkt:

“Banken sind keine Beratungszentren in Geldfragen. Sie sind ausschließlich Vertriebsstellen für Finanzdienstleistungen (z.B. Kredite, Festgelder, Wertpapierdepots)  und entsprechende Produkte (z.B. Fonds, Versicherungen, Bausparverträge, Zertifikate).

Das ist genauso, wie wenn man ein Auto kaufen möchte. Wer zum VW-Händler geht, der erwartet keine umfassende Beratung darüber, ob Auto fahren überhaupt sinnvoll ist und vielleicht Opel das bessere Auto für ihn hätte. Er erwartet einen höflichen Verkäufer, der alles gibt um ihm einen Golf, Passat oder ähnliches mit möglichst viel Zubehör zu verkaufen.
Genauso ist es, wenn man in eine Bank geht. Dann sitzt einem ein Vertriebsmitarbeiter dieser Bank -fälschlich oft auch „Bankberater“ genannt- gegenüber, der alles geben wird, um ein Produkt seiner Bank zu verkaufen. Das ist sein Job. Dafür bekommt er sein Gehalt.”

“finanzdeutsch.de” sagt auch ganz klar, von woher der Fisch stinkt: Vom Kopf her.

Wo der Fisch stinkt. Womit wir bei der Frage wären: Wie läuft das eigentlich, mit dem Vertrieb in einer Bank? Eine „Weisheit“ sagt: Der Fisch stinkt am Kopf zuerst. Wie weise das wirklich ist, weiß ich nicht. Stinkt ein Fisch mal, nähere ich mich ihm normalerweise nicht mehr zwecks genauerer Untersuchung. Aber im Fall des Bankvertriebs passt das Bild.

Das Drama beginnt, wenn die Vorstände der Bank ihre Ziele für einen Zeitraum, z.B. ein Geschäftsjahr, neu definieren. Da wird ein Geschäftsplan aufgestellt, der in der Regel sehr ambitioniert ist, denn diese Ansammlung von Alphatieren will schließlich immer wieder aufs Neue ausfechten, wer „den Größten“ hat. In diesem Geschäftsplan wird mit Erträgen gerechnet. Für verschiedenste Geschäftsbereiche werden die zu erreichenden Erträge definiert. (…).

Die gleiche Planung gibt es für alle anderen Ertragsarten. Spareinlagen, Kredite, Versicherungen, Bausparen, Wertpapierhandel, usw… .Wenn der Bankmitarbeiter morgens an seinen Schreibtisch kommt, dann weiß er genau, was er noch verkaufen muss, damit er beim nächsten Wochenmeeting nicht vom Chef zum Depp gemacht wird. Zielvorgaben für eine tolle Beratungsleistung gibt es übrigens keine. Wie auch? Die Bank verdient mit Beratung ja auch nichts.

Hat Ihre Bank sie auch schon einmal (oder öfter) angerufen und Sie z.B. wegen „gesetzlicher Änderungen, über die sie mit Ihnen sprechen möchte“ zu einem Termin in die Filiale gebeten? Ist sie da endlich, die gute Beratung? Nein. Da ist eine ganz arme Sau von Bankvertriebsmitarbeiter, dem im normalen Alltag nicht genug Kunden freiwillig vor den Schreibtisch laufen, um seine Ziele zu erfüllen. Schließlich geben sich die Banken ja seit Jahrzehnten größte Mühe, Kunden von den Filialen fern zu halten, um möglichst viele schließen zu können.

So ist der Bankmensch also gezwungen, seine Kunden durchzutelefonieren und unter Vorwänden an seinen Schreibtisch zu locken, um sein antrainiertes Verkaufsgespräch abzuspulen. Wenn er wirklich ein Vertriebsprofi ist, dann hat er vorher geprüft, welche Kunden er am besten auf welche Themen ansprechen soll und hat an diesem Vorgang vielleicht sogar Spaß. Allerdings wird er dann nicht lange bei dieser Bank bleiben. Die Banken suchen zwar Vertriebsprofis, wollen sie aber nicht bezahlen… . Die mit den großen Boni aus dem Fernsehen und der Zeitung sind übrigens nicht die in der Bankfiliale vor Ort. Die sind eher einfach nur froh, wenn sie ihren Job behalten.

Ist das bei jeder Bank so?

Ja! Der Vorreiter solch einer klaren vertrieblichen Ausrichtung war die Citibank in den achtziger Jahren. Damals hatten die deutschen Banken vor Ort auch noch Gewinnspannen im Geschäft mit dem Verleihen von Geld, das sie vorher von Sparern eingesammelt hatten, die sie so entspannt erscheinen ließen, dass der Begriff „Bankbeamter“ durchaus berechtigt war.

Doch die Welt hat sich seitdem radikal geändert. Die Gewinnspannen sind durch den verstärkten Wettbewerb eingebrochen und die Risiken im Kreditgeschäft haben zugenommen. Aus den „Beamtenläden“ sind sehr straff organisierte Finanzkonzerne entstanden. Auch die nicht gerade für übermäßige Dynamik bekannten Volks- und Raiffeisenbanken stellen mittlerweile den Vertrieb an erste Stelle. Diejenigen, die das nicht tun, werden fusioniert, bevor sie pleite gehen.

Ein Freund von mir in einer führenden Position bei einer größeren fortschrittlichen Genossenschaftsbank hat erzählt, dass Azubis nicht mehr vorrangig nach ihren Zeugnisnoten ausgesucht werden. Es werden Assessment Center (!) veranstaltet, um diejenigen mit Vertriebstalent herauszufiltern. (…).

Die Banken investieren viel Geld, um das trügerische Bild des `Beraters im Interesse des Kunden´ aufrecht zu erhalten. Wir als Verbraucher werden hier schlichtweg belogen. Und das systematisch von einer ganzen Branche. Das Ergebnis ist ein fast unerschütterliches Vertrauen der Normalbürger in ihre Hausbank oder Sparkasse. Mein Eindruck ist allerdings, dass dieses Vertrauen spätestens seit der Finanzkrise erschüttert ist. Das Image des Bankers hat sich extrem verschlechtert und selbst hinter der Putzfrau in Bankfiliale wird ein bonigeiles Monster vermutet.

Das geht dann auch schon wieder ein Stück zu weit. Um es noch einmal deutlich zu sagen: Die Angestellten in den Bankfilialen vor Ort müssen sich diesem Vertriebsdruck beugen, um ihr Gehalt zu verdienen. Von den dicken Boni und Prämien, über welche in den Medien gesprochen wird, sehen die dort nichts. Oft genug werden sie mit Absicht schlecht ausgebildet, um nicht `unnötige Zweifel´ an den eigenen Produkten zu entwickeln”.

Zu diesem Artikel in “finanzdeutsch.de” hat übrigens ein längjähriger Versicherungsmitarbeiter namens Holger Lang einen Kommentar gepostet, den ich hier in Auszügen anhänge:

Holger Lang (Der Finanzschrauber):

07.28.2010 11:07

“Da ich 7 Jahre lang für den grössten Versicherer in einer Bank gearbeitet habe, kann ich den Beitrag nur von A-Z bestätigen. Und der Vollständigkeit halber, bei den Versicherungen läuft der Hase nicht anders. Letztlich ist es das, was die Menschen unbedingt verstehen müssen. Es geht nicht um Sie, es geht nicht um Ihre Bedürfnisse, Ziele und Wünsche. Es geht um Ihr Geld! Alles was gemacht, getan, gesagt wird hat nur ein Ziel: Das Geld des Kunden zu bekommen. Versicherungen wollen nicht schützen, sondern Geld verdienen. Banken wollen nicht reich machen, sondern Geld verdienen”.

Die Politik hat mittlerweile auf das Bankberatungsdilemma reagiert und im Februar 2011 ein Gesetz zum Anlegerschutz erlassen. Allerdings: Die Opposition und Kritiker des Gesetzes wie die Verbraucherschüzter sagen ganz klar (siehe hierzu den Artikel aus dem “Stern” mit dem Titel “Nichts als heiße Luft?“), dass die in diesem Gesetz vorgesehenen Maßnahmen keineswegs ausreichend seien, um Falschberatung und die Schädigung von Kunden wie im Fall der Pleite der Lehman-Brothers-Bank mit 50.000 geschädigten Privatanlegern zu verhindern.

Also Fazit: Die “Bankster”, bzw. Bankberater sind keineswegs besser als die “Strukkis” der Finanzdienstleister, wobei hier die Bankberater und “Strukkis” nicht als bösartige Schädlinge verunglimpft werden sollen.

Um es ganz klar zu sagen: Der kleine Bankberater und der kleine “Strukki” am Ende der Ausbeutungsmaschinerie ist in der Regel selbst ein Opfer des Systems und wird in der Regel gegen seinen Willen gnadenlos ausgepresst und einem unmenschlichen Druck ausgesetzt.

Schuld an dieser Beratungsmisere sind die Manager in den Führungetagen der Banken und die “Drückerkönige” wie Carsten Maschmeyer am oberen Ende des Systems, die die kleinen Leute am unteren Ende des Systems für sich arbeiten und schuften lassen, mit nur einem Ziel: Den Kunden gnadenlos über´s Ohr zu hauen und auszubeuten, mit dem Ergebnis, dass der Kunde am Ende oft finanziell geschädigt oder gar ruiniert wird.

Der neoliberale Turbokapitalismus ist kein Hirngespinst linksradikaler, spinnerter Theoretiker. Er ist eine Realität, der wir Tag für Tag begegnen, zum Beispiel als Kunden von Banken oder Finanzvertrieben.

Creative Commons LizenzvertragDie “Bankster”: Besser als die Finanzdienstleister?Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

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