Carsten Maschmeyer: Der “Drückerkönig” des AWD

In meinen beiden Artikeln “Lobbys, PR-Agenturen und ihr Einfluß auf die Medien und die Politik in Deutschland” und “Die Pharma-Lobby: Auf Kosten unserer Gesundheit und unseres Geldbeutels” habe ich schon dargestellt, wie Unternehmen und ihre Lobbys und ganze Unternehmenszweige wie die Pharma-Industrie auf Politik und Medien zugreifen und sie zu ihren willfährigen Instrumenten machen.

Dies ist ein Grundphänomen in unserer neoliberal gleichgeschalteten, marktautoritären Gesellschaft, wie wir sie ausgehend von Ronald Reagan in den U.S.A. und Margaret Thatcher in England seit Anfang der achtziger Jahre zunehmend flächendeckend überall in der westlichen Welt haben, auch in Deutschland.

Eine der Industrien, bzw. Wirtschaftszweige, die sich in Deutschland seit Anfang der achtziger Jahre massiv ausgedehnt haben und auf Politik und Medien zunehmend massiv Zugriff genommen haben sind die sogenannten Finanzdienstleister, bzw. Vertriebsorganisationen für Finanzprodukte, die Finanzvertriebe.

Diese Vertriebe beruhen in der Regel auf dem Prinzip des Netzwerk-Marketings, dass heißt es handelt sich in der Regel um sogenannte Strukturvertriebe, ihre Mitarbeiter werden branchenintern auch oft “Strukkis” genannt.

Beim Netzwerk-Marketing muss jeder neuangestellte Verkäufer selbst aus seinem Umfeld heraus die Kunden akquirieren und versuchen, andere Leute aus seinem Umfeld als Verkäufer anzuwerben, die wiederum ihr Umfeld als potentielle Kundschaft abgrasen und einbringen. Das ganze System ist im Prinzip ein Pyramiden- oder Schneeballsystem.

Eine kritische und intelligente Einschätzung dieser Strukturvertriebe und der Strukkis leistet ein längerer Artikel im Verbraucherschutzmagazin.de.

Diese Strukturvertriebe werben Leute mit hochaggressiven Methoden an, das gilt nicht nur für die Kunden, die im Extremfall sogar über die sogenannte “Kaltakquise” angehauen werden, sondern auch für die Anwerbung neuer Strukkis, die in der Regel – genau wie die Kunden auch – zu den Opfern dieses Systems gehören.

Denn nur die wenigsten der neuangeworbenen Strukkis fahren als Neulinge im System in die Gewinnzone und können langfristig im System überleben.

In 99% der Fälle werden nur die Adressen, bzw. das Umfeld des neuangeworbenen Strukkis oder Verkäufers abgeschöpft. Sind dann diese Adressen verbraucht und die möglichen Abschlüsse getätigt worden, fliegt der neuangeworbene Strukki oder Verkäufer schnell wieder aus dem System raus.

Denn in diesem System kommt nur weiter, wer viele Neukunden, Abschlüsse und neue Verkäufer bringt. So jemand darf dann weitere Ausbildungsstufen durchlaufen und kommt im System hoch. Wer die notwendigen Neukunden, Abschlüsse und neue Verkäufer auf Dauer nicht einbringt, wird aus dem System “rausgekickt“.

Es verwundert daher nicht, dass es sogar Websites wie “Geprelllte Strukkis” von ehemaligen Mitarbeitern von Strukturvertrieben gibt, die ihr Umfeld erst für den entsprechenden Finanzdienstleister “platt gemacht” haben und dann aus dem System “rausgekickt” wurden, als sie keine Neukunden mehr anschleppen und neue Abschlüsse mehr tätigen konnten.

Oft haben diese Strukkis dann noch ihre Freunde verloren, denn da sie im Auftrag des Finanzdienstleister oft unseriöse oder ruinöse Finanzprodukte an den Mann (beziehungsweise an ihre Freunde) gebracht haben, wenden sich ihre Freunde dann oft erbost von ihnen ab, wenn klar wurde, dass diese Freunde über das entsprechende unseriöse oder gar ruinöse entsprechende Finanzprodukt einen Teil ihres Vermögens oder sogar das ganze Vermögen verloren haben.

Am Ende steht der ehemalige Strukki dann oft ohne Job und ohne Freunde da, mit dem schlechten Gefühl, seinen Freunden oder vielleicht sogar Verwandten (denn auch diese Beziehungen werden durch den Strukturvertrieb “abgeschöpft“) massiv geschadet zu haben.

Und es bleiben Tausende von Kunden auf der Strecke, die durch das System massiv beschädigt wurden und oft danach pleite, bzw. ruiniert sind oder gar Privatinsolvenz anmelden müssen.

Einer der ganz Großen in diesem Geschäft war der “DrückerkönigCarsten Maschmeyer. Wer wissen will, wer Maschmeyer ist, sollte den entsprechenden Wikipedia-Eintrag zu Maschmeyer durchlesen.

Maschmeyers Karriere begann in den späten siebziger Jahren. 1988 gründete er den AWD, den “Allgemeinen Wirtschaftsdienst“, der sich bis dann im Laufe der nächsten beiden Jahrzehnte zu einem der größten Finanzdienstleister in Europa gemausert hat.

Der AWD von Carsten Maschmeyer kooperierte in diesen Jahren dabei medial mit Zeitschriften wie “Bild” und “Welt” vom Springer-Verlag und der Zeitschrift “Focus Money” des Burda-Verlags, die für den AWD somit Schleichwerbung betrieben haben.

2008 wurde der AWD vom Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life übernommen, 2009 schied Maschmeyer aus dem AWD-Vorstand aus. Im Januar 2010 gründete Maschmeyer mit dem ehemaligen Wirtschaftsweisen und Ökonomen Bert Rürup die Maschmeyer Rürup AG (siehe hierzu einen Artikel aus dem Managermagazin.de).

Die “Süddeutsche Zeitung” kommentierte Rürups Wechsel von der Politik ins Finanzdienstleistergeschäft mit einem Artikel mit dem ironischen Titel “Überraschender Wechsel zu AWD: Rürup sichert seine Rente“.

Das “Manager-Magazin” kürte Rürup in einem längeren Hintergrundartikel im November 2008 zu Maschmeyers “Edel-Strucki“.

Financial Times Deutschland” titelte: “Wechsel in die Wirtschaft: AWD bewahrt Rürup von der Rente“.

Walter Riester, der als Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung die Riester-Rente ins Leben rief, fungiert in diesem Unternehmen als Berater und hat auch schon als Abgeordneter mehrere tausend Euro Honorar vom AWD kassiert (siehe hierzu einen erhellenden Artikel aus “Spiegel Online”).

Spiegel Online” hat in einem eigenen Portal eine ganze Reihe von Artikeln zur AWD-Holding versammelt. Dass Finanzdienstleister wie der AWD an den Riester- und Rürup-Renten gut verdient haben, daran besteht kein Zweifel, entsprechende Berichte in der Fachpresse bestätigen dies auch (Siehe hierzu zum Beispiel einen Artikel aus “Vorsorge und Finanzen” des Jahres 2007).

Albrecht Müller von den “Nachdenkseiten” hat im August 2008 in einem entsprechenden Artikel ganz klar darauf hingewiesen, “dass die Riester- und die Rürup-Rente volkswirtschaftlich betrachtet und teilweise auch aus der einzelwirtschaftlichen Sicht potentieller Nutzer dieser Förderung durch uns Steuerzahler höchst zweifelhaft sind“.

Und Albrecht Müller weiter: “Die Förderung ist vor allem ein Geschenk an die Finanzwirtschaft – an die Versicherungsgesellschaften, an die Banken und die Finanzdienstleister. Diese feiern die staatliche Förderung mit Recht und sie feiern zugleich die Urheber dieses Missbrauchs unsere Steuergelder: Gerhard Schröder und Ministerpräsident Wulff als Vertreter der Union, Bert Rürup und Walter Riester” (Siehe den kompletten Artikel in den Nachdenkseiten unter dem Titel: “Material für Ihre Aufklärungsarbeit zur Riester- und Rürup-Rente – vor allem die Bunte vom 10.7.2008”).

In “riester-rente-ratgeber.de” wird in einem entsprechenden Artikel ausdrücklich vor den Riester-Rente-Angeboten und der Falschberatung durch die Finanzdienstleister DVAG, AWD und MLP gewarnt.

Carsten Maschmeyer selbst umgibt sich gern mit Prominenz aus Politik, Medien und Kultur.

Es gehört zu seiner persönlichen Netzwerk-Marketing-Strategie, solche prominente und einflussreiche Freunde um sich zu scharen. Damit dient er seinem Geschäft und seinem Image. Seit 2009 ist er mit der Schauspielerin Veronika Ferres liiert. Damit ist er ganz oben angelangt, bei den Reichen, Schönen und Berühmten.

Maschmeyer ist nach Ansicht seiner ehemaligen Freunde ein genialer Verkäufer und ein eiskalter, kontrollierter Stratege, wenn es darum geht, persönliche Kontakte für sich selbst oder das Geschäft zu nutzen. Seine Partys in Hannover gehören zum Luxuriösesten und Ausgefallensten, was die Stadt zu bieten hat. Seine Freunde gehören daher oft dem Hannoveraner Oberschichtmilieu an.

Die “Wirtschaftswoche” redet angesichts des 50sten Geburtstages von Maschmeyer und seiner Party von der “Hannover-Connection“. Zu dieser Hannover-Connection gehört der Altkanzler Gerhard Schröder genauso dazu wie der aktuelle Bundespräsident Christian Wulff.

Christian Wulffs Freundschaft mit Maschmeyer wurde zum Medienthema, als Wulff – noch kaum im Amt – Ferien mit seiner Familie in einer Luxusvilla Maschmeyers auf Mallorca machte (siehe hierzu den Artikel aus der “Wirtschaftswoche”).

Maschmeyer hat Gerhard Schröder schon bei seiner damaligen Wahl zum niedersächsischen Ministerpräsidenten 1998 mit einer von ihm bezahlten Wahlkampagne finanziell unterstützt.

Schon damals im Jahre 1998 vermutete “Focus“, dass diese Unterstützung wohl nicht ganz uneigennützig sein könne (siehe hierzu den Artikel aus “Focus”).

In der Tat war es dann auch die Regierung Gerhard Schröder, die eine Privatisierung der Altersrenten in Deutschland betrieb und damit den Finanzdienstleistern in Deutschland, gerade auch dem AWD, gewaltige Verdienstmöglichkeiten eröffnete.

Maschmeyer hat sich für diese Dienste Schröders dann auch später artig bedankt: Die Autobiographie Gerhard Schröders kaufte offensichtlich Maschmeyer für den Betrag von eine Million Euro auf (siehe hierzu den Bericht aus dem “Hamburger Abendblatt”).

In einem Artikel mit dem Titel “Hannovers ungewöhnlichster Freundeskreis“, der die Geschichte der “Hannover-Connection” Maschmeyers darstellt, bericht der Artikel unter anderem darüber, dass Gerhard Schröder im Jahre 2004 Ehrengast der AWD-Vertriebstagung im Berliner Hotel “Estrel” war. Über Schröders damaligen Auftritt berichtet das “Hamburger Abendblatt” folgendes:

Im Dezember 2004 staunen die Teilnehmer der AWD-Vertriebstagung nicht schlecht. Im Berliner Hotel Estrel kündigt Maschmeyer einen besonderen Ehrengast an: Bundeskanzler Schröder. Laut AWD-Mitarbeiterzeitschrift soll Schröder sinngemäß gesagt haben, die Leute sollten die Renten ihrer Mandanten sichern, der Staat könne es nicht. Im Klartext: Schröder redet das solidarische Rentenmodell schlecht, um das Deutschland viele andere Länder beneiden”.

Zu Maschmeyer Freunden gehören aber auch Künstler wie die Hannoveraner Hardrockgruppe “Scorpions“, die auf Maschmeyers Partys gerne aufspielen.

Zu seinen Freunden zählen dann noch unter anderem der ehemalige Regierungssprecher unter Gerhard Schröder Béla Anda, wie schon genannt natürlich Bert Rürup, der unter Gehard Schröder die schon erwähnte Rentenreform mit vorbereitet hat (Rürup-Kommission) und jetzt mit Maschmeyer Geschäfte betreibt.

Zur Hannover-Connection zählt auch Ursula van der Leyen, die mit Maschmeyer zusammen in den siebziger Jahren Medizin studierte, bevor Maschmeyer sich ganz dem Finanzvertriebsaktivitäten widmete, die ihn zu einem der reichsten Männer Norddeutschlands gemacht haben. Zu den Freunden Maschmeyers zählen auch die FDP-Politiker Guido Westerwelle und natürlich auch Philipp Rösler.

Wie Maschmeyer sein Geld gemacht hat, darüber berichteten seit 2010 mehrere kritische Sendungen im Fernsehen.

Der AWD hat massenhaft Anteile von geschlossenen Immobilienfonds, den sogenannten Dreiländerfonds der KC Walter Finks, an den Mann gebracht, die von ihrer Struktur hochriskant und für Kleinanleger völlig ungeeignet waren. Darüber berichtet unter anderem die Website der Rechtsanwaltskanzlei Engelhard, Busch & Partner.

Die Investorenzeitschrift “Das Investment.com” berichtet unter dem Titel “Später Ärger um die Dreiländerfonds: NDR legt in Sachen AWD nach” von den Vorwürfen, die Carsten Maschmeyer und dem AWD in Sachen Dreiländerfonds gemacht werden:

“Die Vorwürfe: AWD-Berater hätten systematisch und in großem Stil über Steuervorteile die Dreiländerfonds als Altersvorsorge-Produkt vermittelt – auch an Kundenkreise, die aufgrund ihres Einkommens und ihrer Lebensumstände gar nicht dafür geeignet gewesen seien. Dafür seien an die Berater und den AWD hohe Provisionen geflossen.

Kreditfinanzierte Beteiligungen

Die Liste soll zudem belegen, dass Tausenden Anlegern – rund ein Fünftel der auf der Liste verzeichneten Kunden – Kredite zur Finanzierung der Beteiligungen vom AWD vermittelt wurden.

Als wegen ausbleibender wirtschaftlicher Erfolge der Dreiländerfonds die Ausschüttungen zurückgingen oder gar ganz ausblieben, hätten viele Kunden einen doppelten Schaden davongetragen: den Verlust des Investments und hohe Kreditschulden”.

So war es tatsächlich auch, Tausende von Anlegern verloren ihre Ersparnisse oder wurden sogar in den Ruin getrieben, wenn sie Kredite zur Finanzierung der Anteile am betreffenden Dreiländerfond aufgenommen hatten. In solch einem Fall blieb manchmal nur übrig, die Privatinsolvenz anzumelden. Die Dreiländerfonds selbst erzielten nie die erwartete Rendite und waren für die Anleger durchgehend ein Verlustgeschäft.

Noch nachdrücklicher und eindeutiger als “Das Investment.com” stellt die “Stiftung Warentest” die Zusammenhänge zwischen AWD und den Dreiländerfonds der KC von Walter Fink dar (gegen KC-Chef Walter Fink wurde schon im Jahr 2003 wegen des Vorwurfs des Betrugs Anklage erhoben. Siehe hierzu den Artikel aus Finanztest, der entsprechenden Zeitschrift der “Stiftung Warentest”).

In einem Artikel “AWD – Liste mit zehntausenden AWD-Geschädigten” stellt die Stiftung Warentest fest:

“Carsten Maschmeyer, Gründer des AWD, behauptet, dass sich die Zahl der unzufriedenen AWD-Kunden im Promillebereich bewegt. Eine AWD-Liste, die dem NDR, dem Stern und Finanztest vorliegt, belegt etwas anderes: Darauf stehen über 34 000 AWD-Kunden, die mit geschlossenen Immobilienfonds der Capital Konsult aus Stuttgart Verluste machten. Viele dieser Kunden sind heute finanziell ruiniert. Entschädigen will der AWD die Anleger nicht.

AWD empfahl gefährliche Kreditfinanzierung

Die Liste belegt nicht nur, dass der AWD in den 90er Jahren zehntausenden Kunden langjährige Beteiligungen an riskanten Fonds vermittelte, den so genannten Dreiländerfonds. Sie belegt auch, dass tausende Anleger ihre Anteile an den geschlossenen Fonds, die ihnen vom AWD häufig als sichere Altersvorsorge verkauft wurden, mit einem Kredit finanzierten.

Viele Anleger kauften auf Pump

Laut AWD-Liste haben etwa 20 Prozent der Kunden ihre Fondsanteile mit einem Kredit finanziert. „Tatsächlich waren es aber viel mehr“, erklärte ein früherer Finanzierungsspezialist des AWD. Der Mann muss es wissen. Seine Aufgabe war es, Beschwerden von AWD-Kunden zu bearbeiten. Auf der Liste stünden nur etwa die 20 Prozent Kunden, die ihre Anteile über die mit dem AWD zusammen arbeitenden Banken BHW-Bank und Hypovereinsbank finanziert hätten. Tatsächlich hätten etwa 80 Prozent der Kunden ihrer Anteile auf Kredit gekauft. Viele Kunden seien in der Liste jedoch als Anleger mit Eigenkapital aufgeführt, weil hier der persönliche AWD-Berater die Finanzierung für den Kunden etwa über dessen Hausbank besorgt habe. Finanztest hat das nachgeprüft und einige Kunden, die laut Liste Eigenkapital eingesetzt haben sollen, angerufen. Alle Befragten gaben an, ihre Fondsanteile auf Pump finanziert zu haben.

Kreditfinanzierung ruinierte viele Anleger

Die von AWD-Beratern empfohlene Finanzierung der Fondsanteile auf Kredit, die viele Anleger finanziell ruinierte, ist aus Sicht von Finanztest eine systematische Falschberatung. Die Aussagen der Berater, dass Anleger ihre monatlichen Kreditraten mit den Ausschüttungen aus den Fonds bezahlen könnten, waren unseriös. Denn langjährige Beteiligungen an geschlossenen Fonds sind immer riskant. Die Anbieter von Immobilienfonds müssen mit vielen Risiken kämpfen. So können beispielsweise Immobilienpreise fallen, Mietobjekte wie Läden leer stehen, Theater und Hotels nicht ausgelastet sein oder Mieten niedriger ausfallen als geplant. Ganz zu schweigen von den Kosten, die Anleger für Vertrieb, Verwaltung und Management des Fonds bezahlen müssen und die erst einmal wieder erwirtschaftet werden müssen. Bei langjährigen Beteiligungen an geschlossenen Fonds müssen Anleger also immer auch mit geringeren Ausschüttungen als den erhofften und im schlimmsten Fall auch mit einem Totalverlust rechnen. Die Empfehlungen der AWD-Berater, Fonds zur Alterssicherung auf Pump zu kaufen, war hoch gefährlich.

Fonds brachten nicht die erhofften Ausschüttungen

Spätestens als viele Dreiländerfonds die erhofften Ausschüttungen nicht mehr erwirtschafteten, bekamen die Anleger zu spüren, welche Folgen die Finanzierung ihres Fondsanteils auf Kredit haben kann. Nachdem Ausschüttungen aus den Fonds sanken oder ganz ausblieben, konnten Anleger ihre monatlichen Kreditkosten nicht mehr aus den Ausschüttungen decken. Viele von ihnen gerieten in finanzielle Not.

Maschmeyer: Anbieter sind für Verluste verantwortlich

Maschmeyer erklärt heute in Interviews, dass nicht der AWD als Vermittler, sondern die Anbieter der Fonds für die Verluste verantwortlich seien. Das stimmt auch, ändert aber nichts an der fehlerhaften Beratung über die Risiken durch die AWD-Berater. Hätten die AWD-Berater ihre Kunden vollständig über die Risiken der geschlossenen Fonds informiert, hätten die allermeisten Kunden wohl keine Anteile gekauft. Wie wenig die Berater über die Risiken der Dreiländerfonds wussten, zeigt sich auch daran, dass sehr viele AWD-Berater selber verlustreiche Fonds gezeichnet haben.

Vermittlung riskanter Fonds brachte hohe Provisionen

Die Vermittlung solcher geschlossenen Fonds war für den AWD ein einträgliches Geschäft. Der AWD vermittelte Dreiländerfonds, Falk-Immobilienfonds oder IMF-Medienfonds im großen Stil und kassierte dafür hohe Provisionen. Nachdem die Fonds die prognostizierten Ausschüttungen nicht mehr erwirtschafteten oder sogar pleite gingen (Falk-Fonds), will der AWD für seine fehlerhaften Beratungen der Kunden nicht geradestehen. Zwar hat Maschmeyer den AWD ab 2007 an den Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life verkauft. Dennoch äußert er sich regelmäßig in den Medien zu den Fondsvermittlungen der 90er Jahre. Da alle diese Fonds Laufzeiten über viele Jahre haben, leiden Anleger bis heute unter den Folgen der Beratung, die zum Fondskauf führte. Maschmeyer gibt unterschiedliche Bewertungen der damaligen Beratungssituation ab. Mal sagt er, dass die Fonds „als sicher“ galten. Mal sagt er, dass die Berater in Protokollen umfassend über die Risiken informiert haben (Süddeutsche Zeitung vom 5./6.Februar 2011).

Maschmeyer, der die Beratungspraxis des AWD bis heute verteidigt, hat mit den Vermittlungen geschlossener Fonds viel Geld verdient. Er soll heute zu den reichsten Männern Deutschlands gehören”.

Die Zeitschrift “Finanztest” dokumentiert das Vertriebssystem des AWD – das System der “Drückerkolonnen” der AWD-Strukkis – sogar in einem fast fünfzigseitigen PDF, das gegen die Gebühr von 1,50 Euro downloadbar ist. Das PDF umfasst alle Artikel, die seit 1995 über den windigen Finanzvertrieb AWD in “Finanztest” erschienen sind.

Der Dreiländerfond war aber nicht das einzige untaugliche Finanzprodukt, das vom AWD vertrieben wurde. Ein anderes Schrottprodukt, das bei den meisten Anlegern zum Totalverlust führte, war der IMF-Medienfond.

Über den Fall einer Rentnerin, die 97% ihrer eingebrachten Anlagekapitals im oben genannten IMF-Medienfond verloren hat, berichtet die Kanzlei für Kapitalanleger “Hahn Rechtsanwälte Partnerschaft”. Solche Fälle gab es massenhaft. Auch das Portal “Geprellte Strukkis” berichtet über solche Fälle.

Nun hat es also einige Fernsehberichte über Carsten Maschmeyer und den AWD im Fernsehen gegeben. Den Auftakt bildete eine Sendung in “Panorama. Die Reporter” in der ARD.

Carsten Maschmeyer hat über seine Rechtsanwälte alles versucht, um diese für ihn negativen Fernsehsendungen zu verhindern (Siehe hierzu den schon von mir erwähnten Artikel von “Spiegel Online”).

Doch die entsprechenden Journalisten haben sich nicht einschüchtern lassen, auch wenn sie auf Druck der Rechtsanwälte von Maschmeyer einige Bilder einschwärzen oder gegen beschreibende Tafeln eintauschen mussten.

Diese Fernsehsendungen sind in YouTube hochgeladen. Hier habt ihr die Sendung von “Panorama” von Anfang Januar 2011 “Der Drückerkönig und die Politik”: Teil 1 und Teil 2.

Eine weitere gute Sendung war die vom 12.1.2011 in “ARD Exclusiv”: AWD, Carsten Maschmeyer und die Machenschaften der Politik – ARD Exclusiv.

Es finden sich aber noch zahlreiche andere Beiträge über Maschmeyer in YouTube.

Einfach “Carsten Maschmeyer” ins Suchfeld eingeben, die Trefferliste ist lang. Carsten Maschmeyer, die Politik und die Medien, das ist ein klassisches Beispiel für die Verfilzung von Bereichen, die in einer funktionierenden Demokratie eigentlich klar getrennt sein sollten.

Creative Commons LizenzvertragCarsten Maschmeyer: Der “Drückerkönig” des AWDKlaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s