“A Crude Awakening: The Oil Crash” (2006) und “The End of Suburbia” (2004)

Über das Thema des kommenden “Peak Oils“, das heißt des Zeitpunktes, an dem weltweit die maximale Ölfördermenge erreicht wird, habe ich in meinem Blog ja schon geschrieben, und zwar in meinem Beitrag zum Film “Blind Spot” von Adolfo Doring. Seht hierzu meinen Blogeintrag: “Blind Spot” (2008) .

Ob es sich bei “Peak Oil” um ein kommendes oder sogar schon um ein historisches Ereignis handelt, ist übrigens unsicher: Manche Experten sagen, wir haben “Peak Oil” in den letzten Jahren schon hinter uns gelassen. Andere sagen, wir erreichen “Peak Oil” irgendwann mal zwischen jetzt und 2020.

Wie auch immer, “Peak Oil” selbst ist eine unbestreitbare Tatsache, und alle Experten sind sich auch einig, dass dieser Zeitpunkt bald kommen wird. Ab diesem Zeitpunkt, ab dem Überschreiten von “Peak Oil“, wird Erdöl radikal teurer und zugleich knapp werden.

Ob der Abstieg von der Bergspitze (Peak) ein schleichender und langsamer oder ein steiler Absturz wird, auch darüber sind sich die Experten uneinig.

Auf jeden Fall wird ab diesem Zeitpunkt eine radikale Wende in der Energiepolitik notwendig sein.

Denn billige Energie in Form von fossilen Brennstoffen (Öl, Kohle, Gas etc.) werden bald der Vergangenheit angehören und ein Umbau des Systems in Richtung auf nachhaltige und erneuerbare Energien wird unvermeidlich sein.

Dieser Umbau wird viel Geld kosten und es noch nicht einmal technisch geklärt, wie dieser Umbau erfolgreich bewältigt werden soll. Es müssen noch viele neue Erfindungen gemacht und Verbesserungen bestehender Technologien geleistet werden, um diesen Umbau auf erfolgreiche Weise zu ermöglichen.

Zwei Filme, die sich mit dem Folgen von “Peak Oil” beschäftigen, sind zum einen von Basil Gelpke und Ray McCormackA Crude Awakening: The Oil Crash” (2006) und zum anderen von Gregory GreeneThe End of Suburbia” (2004). Der Film “A Crude Awakening: The Oil Crash” hat mehrere Auszeichnungen erhalten und hat in der IMDb  ein extrem hohes Rating von 8.0. Er ist sicher der stärkere von den beiden Filmen, auch der Film, der das Thema auf umfassendere Weise anpackt.

Nun, wie schon die Titel andeuten, glauben die Macher dieser beiden Filme nicht daran, dass “Peak Oil” auf sanfte Weise unsere Wirklichkeit verändern wird, sondern dass “Peak Oil” zu einem eher bitteren und harten Erwachen für die Menschheit wird.

Warum werden wir also “A Crude Awakening” erleben (frei übersetzt: Ein böses Erwachen. “Crude” heißt wörtlich übersetzt “roh” oder “grob“, ist aber auch die Bezeichnung für das unbearbeitete Erdöl) um hier auf den ersten der beiden Filme einzugehen?

Ganz einfach: Unsere ganze industrielle Produktionsweise und unser ganzes Transportsystem hat als Basis fast ausschließlich das Erdöl. Der Großteil der Transporte wird heute von Fahrzeugen, Schiffen und Flugzeugen mit Verbrennungsmotoren geleistet, die BenzinDiesel oder Kerosin tanken, alles erdölbasierte Treibstoffe.

Zugleich ist beruht unsere ganze Nahrungsmittelindustrie ebenfalls auf Erdöl: Zum einen werden die Maschinen im Agrarbereich, vom Traktor bis zur Erntemaschine, in der Regel von Motoren angetrieben, die ebenfalls Benzin oder Diesel tanken.

Und zum anderen stellt die petrochemische Industrie, ein gigantischer Industriezweig, unter anderem die Kunstdünger her, die überhaupt erst die “Grüne Revolution” gestattet haben, die zu einer Vervielfachung der weltweiten Nahrungsmittelproduktion geführt hat.

Diese Vervielfachung der Nahrungsmittelproduktion war unter anderem deshalb absolut notwendig, um die steigenden Menschenmassen auf unserem Planeten (aktuelle Weltbevölkerung:  ca. 6,9 Milliarden Menschen) zu ernähren.

Entfällt der Kunstdünger und der massive Maschineneinsatz, ist eine solche moderne Agrarindustrie mit ihrer Massenproduktion nicht mehr denkbar. Die Agrarproduktion wird ohne Erdöl letztlich kollabieren, so die Autoren dieses Films.

Die petrochemische Industrie stellt aber noch unzählige Produkte her, es gibt fast kein industrielles Produkt, das nicht ganz oder teilweise aus Elementen besteht, die in der petrochemischen Industrie hergestellt werden. Letztendlich ist ein Grossteil unsere aktuellen industriellen Produktpalette gefährdet, wenn das Erdöl weltweit zur Neige geht.

Das nun faszinierende an dieser Geschichte ist, das zeigt dieser Film ganz klar, dass die herrschenden Politiker in der westlichen Welt in keinster Weise ihr Wahlvolk über das kommende Dilemma aufklären und auch die kommerziellen Medien in dieser Hinsicht im Verbund mit den schweigenden Politikern kaum Aufklärungsarbeit leisten.

Auch in deutschen Zeitungen und Magazinen wird kaum jemals über “Peak Oil” berichtet.

Stattdessen hat schon der Kampf um die letzten Ölreserven begonnen, und er wird in aller Härte geführt. Auch darüber habe ich schon in meinen Blogeinträgen berichtet. Insbesondere habe ich über den Film von Michael T. Klare “Blood and Oil” einen Blogeintrag verfasst (siehe hierzu meinen Blogeintrag: “Michael T. Klares `Blood and Oil´ (2008) und die Vereinigten Staaten heute“) der die Hintergründe der amerikanischen Nahostpolitik ausleuchtet und ganz klar zeigt, dass zum Beispiel der Zweite Golfkrieg, von George H.W. Bush Senior geführt, und der Irakkrieg des Jahres 2003, von George W. Bush Junior geführt, unter anderem der strategischen und militärischen Sicherung der Erdölreserven im Mittleren Osten für die USA. dienten.

Ein Film, der übrigens genau in die gleiche Richtung argumentiert, ist von Gerard UngermanThe Oil Factor: Behind the War on Terror” (2005), ebenfalls ein hervorragender Film, der in der IMDb ein Rating von 7.5 erhalten hat.

Aber auch die anderen Großmächte wie die Volksrepublik China und Rußland betreiben eine weltweite aggressive Politik der Sicherung der Erdöl- und Gasreserven für ihr Land.

Vor allem China als neue aufsteigende Supermacht hat nicht nur ein ungeheueres wirtschaftliches Wachstum, sondern damit verbunden auch einen ungeheueren Hunger nach Erdöl, der von Jahr zu Jahr wächst.

Der Kampf um das Erdöl wird also schon jetzt mit harten Bandagen geführt und der Kampf um die letzten Reserven wird von Jahr zu Jahr härter und gnadenloser werden.

Ohne dieses Erdöl ist unser ganzer Lebensstil in Gefahr, manche Sektoren wie der Flugverkehr lassen sich gar nicht ohne Kerosin betreiben, Flugzeuge mit Elektroantrieb, mit Brennstoffzellen oder Wasserstoffantrieb sind schwer denkbar.

So ist es abzusehen, dass unsere Enkel und Urenkel vielleicht kaum mehr eine Flugreise machen werden, was heute noch oft wesentlich billiger ist als ins Auto zu steigen oder die Bahn oder den Bus zu nutzen.

Unsere Politiker allerdings, nicht nur die amerikanischen, auch die deutschen, schweigen sich meist über dieses Dilemma aus, und die gewöhnlichen Medien berichten nicht darüber.

Über dieses Schweigen der Politiker und Medien über das kommende “Peak Oil” hat Rainer Sommer am 8.1.2010 einen interessanten Artikel mit dem Titel “Warum Peak-Oil offiziell ignoriert wird” in “Telepolis” veröffentlicht, der versucht auszuloten, warum “Peak Oil” offiziell ignoriert oder totgeschwiegen wird.

In diesem Artikel mit dem Titel “Warum Peak-Oil offiziell ignoriert wird” stellt Rainer Sommer unter anderem fest: “Das hat Shane Mulligan von der University of Waterloo zu einer Analyse veranlasst, warum dieses Thema so weitgehend ignoriert wird. Angesichts der seit mehr als zehn Jahren intensiv geführten Fachdiskussion, könne die offizielle Ignoranz kaum mit purer Ahnungslosigkeit begründet werden. Das jedenfalls nicht in den höheren politischen Rängen, denn dafür sei die Peak-Oil-Debatte schon zu weit in den Mainstream vorgedrungen, meint Mulligan, der gerade an einem Buch über die Sicherheitsaspekte von Peak-Oil schreibt. Er vermutet daher, dass viele Regierungsexperten an übermäßigem Training in neoklassischer Ökonomie leiden und schlicht davon ausgehen, dass die Marktmechanismen schon für den Ausgleich sorgen, d.h. höhere Preise zu mehr Exploration und Förderung, sowie zur Entwicklung von Substituten führen werden.

Vielleicht grassiere aber auch einfach eine Art von “kognitiver Dissonanz”, welche die Administrationen weltweit davon abhalte, diesen potentiell so problematischen Bereich anzugehen, so wie viele Menschen auch nicht gerne über den eigenen Tod nachdenken. Viel lieber werde dann dem Glauben an technische Lösungen gehuldigt, die bei Bedarf schon gefunden würden. Zudem hätten Regierungen generell die Tendenz, schlechte Nachrichten zu unterdrücken.

Wem das ein wenig zu unrealistisch erscheint, dem bietet Mulligan die These, dass etwa die US-Regierung ohnehin Bescheid wisse, das aber einfach nicht bekanntgeben wolle. Und er zitiert David Fridley, einen früheren Kollegen von US-Energieminister Steven Chu, damit, dass “der Minister alles über Peak-Oil weiß. Er kann nur nicht darüber sprechen, weil sonst die Wall Street crashen würde.”

Sadad al-Husseini, ein früherer Vizepräsident des saudischen Ölgiganten Aramco, bestätigte jüngst, dass “diejenigen, die offiziell nicht darüber sprechen, die Öffentlichkeit eben nicht mit der Wahrheit konfrontieren und beunruhigen wollen. Nur, dass die Öffentlichkeit dann auch nicht bereit sein wird, die notwendigen Maßnahmen zu unterstützen.”

Sollte das der Fall sein, würden laut Mulligan tatsächlich die US-Energieagentur EIA und die internationale IEA mit ihrem vor allem von neoklassischen Ökonomen verfassten World Energy Outlook (WEO) den Hauptanteil an der angeblichen Vertuschung zu verantworten haben.

Denn seit jeher verbreitet der WEO, an dem sich die meisten Regierungen, Kolumnisten und Wall Street-Analysten orientieren, die durchaus rosige Prognose, dass sich die Energiezukunft kaum von der Vergangenheit unterscheiden werde.

Dass aber Georg W. Bush und Dick Cheney sich nicht ausgiebig mit dem Peak-Oil-Problem auseinander gesetzt hätten, wird ohnehin niemand ernsthaft vermuten. Und diese hätten auch jeden Grund, ihre geostrategischen Pläne zu verheimlichen. Denn angesichts dessen, dass in Afghanistan jetzt unter US-Führung die Pipeline gebaut wird, für die einst Präsident Karsei im unterlegenen US-Verhandlungsteam saß, und amerikanische Ölkonzerne nun das irakische Öl ausbeuten, ist evident, dass es bei ihren Kriegen um Öl gegangen ist und nicht um die von ihnen nachweislich selbst erfundenen Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins oder einen Krieg gegen den Terror. 

Warum die Daten zu den Reserven generell derart unsicher erscheinen, dafür nennt Colin J. Campbell, Gründer und Ehrenpräsident der Association for the Study of Peak Oil & Gas (Aspo), vor allem zwei Gründe. So werden die Förderquoten der OPEC-Mitgliedsstaaten anhand der jeweils nachgewiesenen Reserven zugeteilt, was die Förderländer in Zeiten des Überflusses stark dazu motiviert, ihre Reserven zu übertreiben. Auf der anderen Seite werden die börsenotierten Ölgesellschaften von der US-Börsenaufsicht dazu verpflichtet, ja nicht zu hohe Reserven auszuweisen, so dass sie sich erst nach und nach zu realistischen Angaben durchringen würden. Zudem werden die “Reserven” von den Ökonomen grundsätzlich danach bemessen, wie viel zum aktuellen Preisniveau wirtschaftlich sinnvoll gefördert werden kann. Mit jedem Preisanstieg steigen also auch die Reserven, was dann immer wieder zur Beruhigung beiträgt. Allerdings ist bei allen Unsicherheiten bezüglich künftiger Funde oder alternativer Quellen wie Ölsande schon heute klar, dass die physisch förderbaren Mengen absehbaren Limits unterliegen, die weder von den Ökonomen noch von der Wall Street hinausgeschoben werden können.

Campbell, der bereits 1998 gemeinsam mit Jean Laherrère in Scientific American den maßgeblichen Artikel “The End of Cheap Oil” veröffentlicht hat, glaubt jedenfalls nicht an eine “Great Conspiracy”, beobachtet aber, dass sich Unternehmen und Politik hinter den Kulissen bereits auf das Unvermeidliche vorbereiten: “Die Ölkonzerne verkaufen ihre zweitklassigen Raffinerien, weil sie annehmen, dass künftig nicht mehr genug Bedarf an Raffineriekapazitäten vorhanden sein wird. Und auch die Luftfahrtindustrie, die von billigem Öl abhängig ist, ändert sich gerade radikal. Nur will niemand offen darüber reden.” Campbell sieht heute seine 1998 gemachte Prognose bestätigt, dass die konventionelle Produktion bereits 2005 ihr Maximum erreicht habe und seither unkonventionelle und wesentlich teurere Quellen den Abgang ausgleichen müssen. Er erwartet allerdings dennoch, dass der absolute Peak-Oil in diesem Jahr erreicht werde und tippt auf rund 87 mb/d”.

Dem Film “A Crude Awakening: The Oil Crash” von Basil Gelpke und Ray McCormack kann man allerdings nicht vorwerfen, dass er das Thema totschweigt oder ignoriert, denn dieser Film zeigt drastisch und in aller Klarheit, was auf die Menschheit zukommt, wenn dieses heiße Eisen nicht bald angepackt wird, und der Film besticht mit einer Vielzahl von Interviews von hochrangigen Experten, die vor der Kamera kein Blatt vor den Mund nehmen und die genau zu wissen scheinen, in welchem Dilemma sich unsere Zivilisation durch “Peak Oil” befindet und wie wenig Zeit noch bleibt, um entscheidende Weichen zu stellen.

Der zweite Film “The End of Suburbia” beschäftigt sich in gewisser Weise mit einem einzelnen Ausschnitt des “Peak Oil”-Dilemmas: Die Amerikaner haben seit dem Zweiten Weltkrieg massiv ihre Vororte (Englisch: “suburbs“) ausgebaut, die in der Regel mit dem Auto auf Highways oder anderen Autostraßen erreichbar sind.

So hängt das ganze amerikanische Vorortsystem eigentlich vom Benzinpreis ab. Bleibt Benzin bezahlbar, können es sich die Bewohner der Vororte leisten, mit ihren Fahrzeugen Tag für Tag große Strecken zu ihrem Arbeitsplatz zu pendeln (50 Meilen sind hier ganz normal).

Sollte “Peak Oil” allerdings erreicht werden, wird das Benzin extrem teuer werden, und die Bewohner der Vororte werden sich diesen Lebensstil als Langstreckenpendler nicht mehr leisten können. Die Vororte werden dann wahrscheinlich – so zumindest die Macher des Films – aufgegeben werden und veröden. Sie werden dann ein Relikt aus einer Zeit sein, als man noch mit billigem Benzin Tag für Tag größerere Strecken mit dem Auto pendeln konnte.

Dieses Detailproblem des Gesamtproblems “Peak Oil” beleuchtet der Film mit viel Kennerschaft und Ironie, denn die amerikanische Vorortkultur ist zugleich ein Teil des “American Dream“, der sich nach dem Überschreiten von “Peak Oil” leicht in einen “American Nightmare” verwandeln könnte.

Beide Filme beleuchten also auf intelligente Weise das Problem des kommenden “Peak Oil“.

Der Film “A Crude Awakening: The Oil Crash” ist in aktuell mehreren Versionen in YouTube hochgeladen. Auch der Film “The End of Suburbia” ist zur Zeit in YouTube aufzufinden.

Man kann den Film “A Crude Awakening: The Oil Crash” aber auch bei amazon.de in einer Version mit deutschen Untertiteln erwerben.

Der von mir kurz erwähnte, ebenfalls hervorragende Film “The Oil Factor: Behind the War on Terror” ist zur Zeit in ebenfalls in YouTube aufzufinden.

Creative Commons Lizenzvertrag “A Crude Awakening: The Oil Crash” (2006) und “The End of Suburbia” (2004) Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

3 thoughts on ““A Crude Awakening: The Oil Crash” (2006) und “The End of Suburbia” (2004)

  1. Einzelne Leute in der Politik merken mittlerweile, dass an Peak Oil etwas dran ist, aber es geht alles noch viel, viel, viel zu langsam vonstatten. Wir haben in Dresden einen Vortragsabend mitgeschnitten und ins Web gestellt:

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    • Sehr geehrter Herr Rost,

      beide Vorträge, sowohl Ihr Vortrag als auch der von Herr Senz, sind ganz hervorragend. Ich war übrigens selbst mal ein paar Jahre Mitglied der Grünen/Bündnis 90 und habe mich seinerzeit (ist schon über 10 Jahre her) bei den Freiburger Grünen vor allem um das Thema Internet bemüht. Allerdings waren mir dann die Baden-Württembergischen Grünen irgendwann mal einfach zu sehr an neoliberalen oder besser “ökolibertären” Konzepten orientiert. Tatsächlich kann unser OB Salomon mittlerweile wohl auch besser mit der CDU als mit den linken Parteien, womit er in unserem konservativen “Ländle” sicher gut fährt, ich selbst bin aber zu dem ganzen neoliberalen Ding mittlerweile sehr auf Abstand und die CDU und FDP liegen mir genauso wenig wie die konservativen und ausgesprochen provinziellen Oberschichten in Freiburg und BW allgemein.

      Aber nein, um auf das Thema zurückzukommen, die beiden Vorträge sind wirklich hervorragend und haben mir auch bestätigt, was ich aufgrund der zahlreichen Dokus, die ich zu diesem Thema gesehen habe, schon vermutet habe: Wir haben anscheinend “Peak Oil” bei konventionellem Erdöl schon überschritten, was ganz dramatische Folgen haben wird in den kommenden Jahrzehnten.

      Öl ist der Grundstoff, auf dem eigentlich fast unsere ganze industrielle Produktion, insbesondere aber auch unsere aktuelle landwirtschaftliche Produktion (Stichwort: “Grüne Revolution”) und unsere chemische Industrie und noch zahlreiche andere Wirtschaftszweige und natürlich vor allem unser ganzes Transportsystem beruht. Ohne Öl läuft praktisch gar nichts, und Öl kann auch nicht ohne weiteres durch alternative Technologien ersetzt werden, zumindest wird es schwer sein, die aktuell benötigten Energiemengen ohne Öl zu produzieren.

      Wenn der Ölpreis dramatisch steigt und das Öl knapp wird und zugleich der Ölbedarf (China/Indien!) massiv steigt, wird dies mittel- und langfristig zu schwersten wirtschaftlichen und damit auch sozialen und politischen Problemen führen. Verteilungskriege werden fast unvermeidlich sein. Die USA führen diese Kriege schon im Persischen Golf und betreiben hier schon seit Jahrzehnten eine imperiale Politik. Der Wettlauf um die begehrten Ressourcen hat schon vor Jahrzehnten begonnen, alle grösseren Mächte beteiligen sich an diesem Wettlauf und je knapper diese Ressourcen werden, um so rücksichtsloser werden die Methoden sein, um sich diese Ressourcen zu sichern.

      Wenn “Peak Oil” bei konventionellem Öl tatsächlich schon erreicht wurde, ist damit eigentlich auch die rein quantitative Wachstumsgrenze der Weltwirtschaft erreicht, solange zumindest, bis die energetische Basis unseres Wirtschaftssystems nicht völlig umgebaut ist, was technisch langwierig und kompliziert und ausserdem noch sehr teuer werden wird. Vernünftiges Wachstum bedeutet dann jetzt im Jahre 2012 eigentlich, dass dieses Wachstum vor allem im Bereich der alternativen Energien und der energiesparenden Technologien stattfinden muss. Ich sehe da aber global und auch in Deutschland keine klaren Weichenstellungen seitens der Politiker.

      Die von Ihnen beiden präsentierten Fakten sind dramatisch, und es wundert mich gar nicht, dass die deutschen Politiker und auch die deutschen Wirtschaftsführer diese Fakten nicht kennen oder ignorieren. Das betrifft eigentlich alle fundamentalen Probleme unserer industriellen Zivilisation (Massiver Ressourcenverbrauch/Mangelnde Nachthaltigkeit/Klimawandel/Umweltzerstörung/Überbevölkerung, etc.): Man will das nicht sehen, weil dies ein radikales Umdenken erfordern würde und damit eine Politik, die einem rein quantitativen wirtschaftlichen Wachstum und ungebremsten Konsum auf der Basis einer massiven Ressourcenverschwendung eine klare Absage erteilt.

      Und da unsere Politiker alle am Gängelband der Wirtschaft sind, wagt kein Politiker diesen Schritt.
      Al Gore ist in den U.S.A. mit diesem Programm gegen Bush knapp und tragisch gescheitert, Obama hat es versprochen, aber bisher nicht wirklich getan. In Kalifornien hat man schon einiges versucht, auch der “Gouvernator” Arnold Schwarzenegger hat sich in diesem Punkt redlich bemüht.

      Aber die Erdölindustrie und ihre Lobbys haben diese Pläne meistens durchkreuzt. Und in Deutschland hat eine Politikerin wie Angela Merkel nicht mal daran gedacht, die AKWs abzuschalten, sie hat es erst getan, als die Deutschen es als Reaktion auf die Katastrophe in Fukushima verlangt haben.

      Auch hier in Deutschland bleibt die Energiewende bisher im wesentlichen nur ein Versprechen, zur Zeit soll sogar die Solarförderung wieder gestrichen werden. Angela Merkel, das heisst Opportunismus und “business as usual”, ganz egal, um welches Thema es sich dreht, ganz gleich ob es die aktuelle “Eurokrise” oder so fundamentale Dinge wie “Peak Oil” sind.

      Diese Sache mit “Peak Oil” sieht im Moment gar nicht gut aus. Das ist aber nicht das einzige, was bei unserem Wirtschaftssystem nicht gut aussieht. Da bleibt vieles auf der Strecke, vielleicht sogar so fundamentale Dinge wie Lebensglück, Menschlichkeit und Solidarität in unserer Gesellschaft und gerade auch auf weltweiter Ebene.

      In Deutschland fährt man seinen Porsche und zieht sich auf Partys Kokain rein, aber in vielen Teilen Afrikas verdursten und verhungern die Menschen oder vegetieren auf dem erbärmlichsten Niveau am Existenzminimum und sterben an Krankheiten, die es bei uns zum Teil gar nicht mehr gibt oder nie gegeben hat, die man aber ohne weiteres heilen oder vermeiden könnte, wenn nur genügend Geld und Infrastruktur vorhanden wäre.

      Wir sind schon seit vielen Jahrzehnten dabei, uns tief in die Scheisse zu reiten, der “Club of Rome” hat uns das schon 1973 in seinem Bericht über die “Grenzen des Wachstums” prophezeit.

      Man hat das damals aber als Spinnerei abgetan und da die zeitlichen Voraussagen nicht hundertprozentig präzise waren (was bei einer gesamtsystemischen, computergestützten globalen Betrachtungsweise mit unsicheren, variablen und flexiblen Eingabedaten leicht passieren kann), hat man die Sache dann irgendwann einmal vergessen und es sich im Sinne eines “Tanzes auf dem Vulkan” gemütlich gemacht und die Augen vor der Realität verschlossen.

      Hauptsache, die Kasse stimmmt und es wird fleissig verdient und kräftig konsumiert. An die Folgen einer solchen Wirtschaftspolitik will niemand denken und es will auch niemand daran denken, dass diese “Fiesta” vielleicht schon bald mit einem üblen Erwachen enden könnte.

      So prophetische und visionäre Köpfe wie Norbert Wiener haben übrigens schon in den fünfziger Jahren darauf hingewiesen, dass im Zweiten Weltkrieg unter anderem eine enorme Ressourcenverschwendung, auch an Erdöl, stattgefunden hat und die natürlichen Ressourcen in absehbarer Zeit zur Neige gehen werden und das Überleben der Menschheit von noch kommenden Erfindungen abhängen wird.

      Dass man staatlicherseits die Entwicklung dieser für das Überleben Menschheit unbedingt notwendigen Erfindungen nicht schon seit Jahrzehnten fordert und auch massiv fördert, ist ein ungeheueres und schwachsinniges Versäumnis aller führenden Politiker aller Industrienationen weltweit, ein Versäumnis, für das wir alle vielleicht noch teuer und grausam bezahlen werden.

      Man ist aus Prestigegründen zum Mond geflogen, aber die fundamentalen Probleme auf unserem Planeten hat man vergessen.

      Es freut mich, dass wenigstens ein paar Menschen wie Sie und Herr Senz in Deutschland über solche fundamentalen Dinge nachdenken wollen. Damit sind Sie und Herr Senz auf meiner Bloglinie, “a blog for nonconformists”. Denn es ist ganz und gar nicht konform, die Menschen in unserer Gesellschaft darauf hinzuweisen, dass unser ganzer grossartiger technischer und wirtschaftlicher Fortschritt in mancher vielleicht nur ein lebensgefährlicher Irrtum ist, zumindest, wenn wir nicht bereit sind, ein paar ganz fundamentale Weichen umzustellen.

      Ich denke da konkret daran, was es bedeuten würde, über 7 Milliarden Menschen (Tendenz von Jahr zu Jahr steigend) ohne Erdöl ernähren müssen. Das kann vielleicht bedeuten, dass die Ärmsten dieser über 7 Milliarden Menschen in den benachteiligten Ländern dieser Welt vielleicht einfach verhungern müssen, so brutal und furchtbar das klingt. Zumindest könnte das passieren, wenn wir nicht sehr bald Vorsorge tragen und etwas gegen diese kommende Katastrophe tun.

      Vielen Dank also nochmals für diesen erhellenden und übrigens auch klaren und inhaltlich logischen und stimmigen Beitrag.

      Mit besten Grüssen, Ihr

      Klaus Gauger

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    • Lieber Herr Rost,

      vielleicht noch ein Nachtrag: Einer der für mich kompetentesten amerikanischen Kenner der Ölproblematik und Ölpolitik und der damit zusammenhängenden Probleme wie “Peak Oil” und den globalen Wettlauf um die Ressourcen ist für mich Michael T. Klare, der unter anderem an der University of Massachusetts Amherst lehrt, an der ich auch mal studiert habe (im Jahr 1991):

      http://en.wikipedia.org/wiki/Michael_Klare

      Michael T. Klare hat mehrere hervorragende Bücher zu diesen Themen geschrieben und auch einen hervorragenden Film zu diesem Thema mitproduziert mit dem Titel “Blood and Oil”:

      http://www.bloodandoilmovie.com/

      Wie Michael T. Klare unsere nähere energetische Zukunft einschätzt, hat er auch in Artikeln ausführlich erläutert. Folgender Artikel mit dem Titel “The Era of Xtreme Energy: Life after the Age of Oil” aus der “Huffington Post” ist ebenso knapp und kurz wie klar. Der Tenor des Artikels: “Buckle your seatbelts, it’s going to be a bumpy ride under Xtreme conditions”:

      http://www.huffingtonpost.com/michael-t-klare/the-era-of-xtreme-energy_b_295304.html

      Mit besten Grüssen, Ihr

      Klaus Gauger

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