“Why We Fight” (2005)

Ein recht guter Dokumentarfilm über den Irakkrieg ist von Eugene Jarecki “Why We Fight” von 2005.

Der Focus von Eugene Jarecki liegt in diesem Film auf dem Militärisch-industriellen Komplex in den U.S.A. und dessen Bedürfnisse (Zur amerikanischen Situation siehe den englischsprachigen Wikipedia-Eintrag zum Military-industrial complex).

Der amerikanische Militärisch-industrielle Komplex ist gigantisch und an ihn sind auch unzählige Think Tanks (Denkfabriken) angeschlossen, die die Führung zukünftiger, vermeintlich notwendiger Kriege planen und auf die amerikanischen Präsidenten und ihre Administration einwirken.

Denn das Hauptbedürfnis dieses Riesenzweiges der amerikanischen Industrie, der Rüstungsindustrie, ist es, dass die amerikanischen Präsidenten und ihre Administration möglichst viele auswärtige Kriege führen, damit der Militärisch-industrielle Komplex, bzw. sein produzierender Teil, die Rüstungsindustrie, den amerikanischen Streitkräften immer neue Waffen verkaufen kann.

So wird in diesem Film der Irakkrieg vor allem als ein Produkt der Notwendigkeiten des amerikanischen Militärisch-industriellen Komplexes präsentiert.

Daher beginnt der Film konsequent mit Dwight D. Eisenhowersfarewell speech“, der Abschiedsrede aus dem Jahre 1961 dieses amerikanischen Präsidenten und Generals und Oberbefehlshabers der amerikanischen Streitkräfte in Europa während des Zweiten Weltkriegs, in der er eindringlich vor dem gigantisch angewachsenen Militärisch-industriellen Komplex in den U.S.A. und den Folgen für die amerikanische Gesellschaft und die zukünftige amerikanische Politik warnt (Siehe einen Aussschnitt dieser Rede in YouTube).

Welche ungeheueren finanziellen Ausgaben der amerikanische Staat im Bereich des Militärs Jahr für Jahr leistet, zeigt der Wikipedia-Artikel zum “Military budget of the United States“.

Diese Ausgaben übertreffen hier bei weitem den Anteil, den andere Großmächte wie China oder Rußland oder die anderen NATO-Staaten jährlich für ihre Streitkräfte ausgeben.

Aber der Film von Eugene Jarecki ist nicht eindimensional. Deshalb werden auch die anderen Gründe für den Irakkrieg genannt, insbesondere wird das Öl des Irak erwähnt.

Der Irak hat die zweitgrößten Ölreserven der Welt. Da die Amerikaner 25% der weltweiten Erdölproduktion verbrauchen, selbst aber nur 5% der Weltbevölkerung stellen, bedeutet dies, dass die Amerikaner einen gigantischen Ölverbrauch haben, der aus der eigenen Produktion auf keinen Fall mehr gedeckt werden kann.

Daher müssen sich die Amerikaner die weltweiten Ölreserven im Notfall auch militärisch sichern. Die mit Abstand größten weltweiten Ölreserven sind im Mittleren Osten vorzufinden. In dieser Region schalten und walten die Amerikaner nach ihren Vorstellungen und sichern sich das Öl notfalls auch militärisch, wie es im Falle des Irakkrieges geschehen ist. Seht hierzu auch meinen Blogeintrag: “Michael T. Klares `Blood and Oil´ und die Vereinigten Staaten heute“.

Ein dritter Grund für diesen Krieg ist in der imperialen Strategie zu sehen, die von Leuten wie Paul Wolfowitz nach dem Fall der Mauer designt wurde. Der Fall der Mauer und die Auflösung der Sowjetunion bedeutete für Leute wie Wolfowitz, dass nur noch die USA als einzige Supermacht übrigblieb und so die Chance hatte, eine weltweite imperiale Politik durchzuführen, auch mit militärischen Mitteln.

Nach den Angriffen von al Qaida auf das World Trade Center am 11. September 2001 sahen diese Strategen wie Paul Wolfowitz, die dann in der Administration von George W. Bush wichtige Posten inne hatten, die Chance, diese imperiale amerikanische Strategie durchzusetzen.

Überhaupt haben die amerikanischen Präsidenten seit dem Koreakrieg unzählige auswärtige Krieg geführt und amerikanische militärische Interventionen angeordnet.

Insofern sieht Jarecki den Irakkrieg als Teil einer langen Serie von auswärtigen Kriegen und militärischen Interventionen, die von den US-Präsidenten mit Rückendeckung des US-Kongresses seit dem Zweiten Weltkrieg befohlen wurden, als Teil einer kriegerischen Strategie im Sinne des Militärisch-Industriellen Komplexes, vor dem Eisenhower, wie gesagt, ausdrücklich warnte. Seht hierzu auch meinen Blogeintrag: “`War made easy´ (2007)“.

Dieser Film präsentiert auf vielschichtige Weise die Fakten zum Irakkrieg und enthält viele spannende Interviews, die aus jeweils konträren Positionen ein Mosaikbild der Stimmung in den USA und der Funktionsweise der amerikanischen Militär- und Rüstungsmaschinerie bieten, die über ihre Lobbys direkt in die amerikanischen Politik, in den Kongress und die Spitzen der Administration einwirkt.

Wer will, kann den Film käuflich erwerben (zum Beispiel bei amazon.de als UK-Import).

Am einfachsten ist es allerdings, man schaut sich eine deutsche Version in YouTube an, die seinerzeit im Fernsehkanal Arte gezeigt wurde, und die in YouTube hochgeladen wurde, in 11 Teilen (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8, Teil 9, Teil 10, Teil 11).

Creative Commons Lizenzvertrag“Why We Fight” (2005)Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s