Robert Skidelsky: Keynes – The Return of the Master (2009)

Angesichts der Finanzkrise, die im Jahre 2007 begann, ist eine Flut von wirtschaftswissenschaftlichen Büchern erschienen, die diese Krise analysieren und mögliche Abhilfen und Gegenkonzepte präsentieren, um der möglichen Wiederkehr eines solch dramatischen Ereignisses vorzubeugen.

Tatsächlich sind manche Länder durch diese Krise massiv beschädigt worden.

Dies betrifft vor allem diejenigen Länder, bei denen die Finanzkrise von einer Immobilienkrise ausgelöst oder begleitet wurde. Dies ist vor allem der Fall in den U.S.A., aber auch in europäischen Ländern wie zum Beispiel Spanien, wo die Finanzkrise ebenfalls vom Platzen einer Immobilienspekulationsblase begleitet wurde.

Die Finanzkrise hatte als eine Voraussetzung unter anderem die Niedrigzinspolitik der Federal Reserve Bank nach dem Platzen der Dotcom-Blase der New Economy im Jahre 2000 und den Anschlägen auf die Twin-Towers in New York am 11. September 2001. Der Schritt, die Zinsen herabzusetzen, war sicher nicht unvernünftig, da es darum ging, die US-Wirtschaft wieder anzukurbeln. Er begünstigte aber dann ein Verhalten der US-Banken ab 2001, das sich dann in der Finanzkrise ab 2007 als äußert schädlich erweisen sollte.

Die eigentliche Kernursache der Finanzkrise ab 2007 war aber die Deregulierung der Banken, Finanzmärkte und Börsen ab den 80er-Jahren.

Diese Deregulierung des Bankensektors und der Börsen und Finanzmärkte in den USA war ein direktes Resultat der weltweiten neoliberalen Revolution ab den 80er-Jahren (die mit Ronald Reagan in den USA und Margaret Thatcher in England begann).

Die Deregulierung war weiterhin einer der Kernprogrammpunkte des sogenannten “Washington Consensus“.

Ich habe zum Thema der neoliberalen Revolution ab den 80er-Jahren seinerzeit einen Blogartikel mit dem Titel “Die Ursachen und Folgen der neoliberalen Revolution ab den 80er-Jahren verfasst“, in dem ich ausführlich auf dieses Thema eingehe.

Zurück zu den Ursachen der Finanzkrise ab 2007: Die US-Banken vergaben während des amerikanischen Immobilienbooms unter anderem auch sogenannte “subprime“-Kredite an Kreditnehmer mit geringer Bonität.

Dadurch wurde der Immobilienboom in den USA noch weiter massiv befeuert, der am Ende zu einer gefährlichen Immobilienspekulationsblase führte, so wie es in Europa zur gleichen Zeit zum Beispiel die Spanier oder Iren erlebten, die nun ebenfalls unter den Folgen einer geplatzten Immobilienblase leiden.

Dieses große Risiko, das die US-Banken mit der Vergabe der subprime-Kredite fahrlässig eingingen, wurde dann international an ausländische Banken über entsprechende Wertpapierpakete weitergereicht, sogenannten Mortgage Backed Securities und Forderungsbesicherte Wertpapiere.

Im Jahre 2007 platzte dann die Immobilienspekulationsblase in den USA und die Kreditnehmer vor allem der sogenannten suprime-Kredite waren in der Regel nicht mehr in der Lage, diese Kredite zu bedienen.

Damit kam es zu großen Verlusten bei den US-Banken, die solche Kredite vergeben hatten ebenso wie bei den ausländischen, auch deutschen Banken, die die obengenannten nun “faulen” Wertpapiere, die sogenannten Mortgage Backed Securities und Forderungsbesicherte Wertpapiere der US-Banken aufgekauft und in ihre Portfolien genommen hatten.

Nach der Insolvenz der Investmentbank Lehmann Brothers kam es zur globalen Vertrauenskrise und damit zur Krise des Interbankenmarktes und zur Geldmarkliquiditätskrise.

Am Ende waren massive Auswirkungen auf die Realwirtschaft zu spüren und es kam zu einer weltweiten Rezession, natürlich mussten die entsprechenden betroffenen Staaten – so der amerikanische Staat zum Beispiel in den U.S.A. – massiv mit stützenden Krediten und finanziellen Rettungsschirmen eingreifen, um Bankenzusammenbrüche abzuwehren.

In Deutschland geschah im geringeren Umfang natürlich das gleiche, die US-Banken hatten ja ihre Risiken international, also auch an Deutschland und deutsche Banken, weitergegeben.

Der IWF schätze im April 2009 die Verluste in der Realwirtschaft auf weltweit über 3000 Milliarden Euro als Folge der Finanz- , bzw. Bankenkrise ein.

Nun, in dem 2009 auf Englisch als Hardcover-Buch und 2010 als Taschenbuch erschienen Werk von Robert SkidelskyKeynes – The Return of the Master” wird natürlich mit noch viel mehr Kennerschaft als aus meiner Feder über diese Ursachen und den Verlauf dieser Wirtschaftskrise berichtet, und Skidelsky liefert nicht nur eine grobe Skizze, wie ich es obenstehend getan habe, sondern er liefert ein detailreiches und differenziertes Bild dieser Krise, die die Weltwirtschaft ab 2007 erschüttert hat und von der sich Länder wie die U.S.A. oder Spanien noch lange nicht erholt haben.

Auf Deutsch erschien dieses Werk ebenfalls im Jahre 2010:

Skidelsky, Robert, die Rückkehr des Meisters, Keynes für das 21. Jahrhundert, Verlag Antje Kunstmann 2010, 303 Seiten

Die Darstellung dieser Wirtschaftskrise auf den ersten ca. 50 Seiten dieses Buches ist aber nicht die Hauptleistung von Skidelsky.

Robert Skidelsky ist der führende britische Experte zu Leben und Werk von John Maynard Keynes (1883-1946).

Seine dreibändige Monumentalbiographie zu Keynes gilt als das Standardwerk zu diesem Ökonomen, dessen Theorien bis Anfang der 80er-Jahre, bis zur Ära von Margaret Thatcher in England und Ronald Reagan in den USA weltweit vielbeachtet und in verschiedenen Abwandlungen und Varianten in den meisten westlichen Ländern weitgehend angewendet wurden.

Ab der Ära Thatcher in England und der Ära Reagan in den USA am Anfang der 80er-Jahre gewannen dann die neoliberalen und marktradikalen Ideen von Friedrich August von Hayek (Wirtschaftsnobelpreis 1974) und Milton Friedman (Wirtschaftsnobelpreis 1976) mit seinen “Chicago-Boys” und der “Chicagoer Schule” weltweit die Oberhand.

Skidelsky will die Ideen von Keynes angesichts der weltweiten Finanzkrise für die heutige Zeit wieder fruchtbar machen. Keynes Hauptwerk war die “Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“, auf die sich die heutigen “New Keynesians” bis heute berufen, wobei die New Keynesians in der Regel durchaus auch monetaristische und angebotsorientierte Ansätze in ihren Konzepte mitberücksichtigen.

Was ist nun der fundamentale Unterschied zwischen den monetaristischen, angebotsorientierten Ansätzen eines Friedrich August von Hayek und eines Milton Friedman und den nachfrageorientierten Ansätzen von Keynes und den New Keynesians wie Joseph E. Stiglitz (Wirtschaftsnobelpreis 2001) und Paul Krugman (Wirtschaftsnobelpreis 2008)?

Nun, Keynes ging davon aus, dass Märkte durchaus nicht rational und vernünftig funktionieren und er glaubte, dass die Zukunft eines Marktes immer unsicher und instabil sei.

Auch glaubte Keynes auf keinen Fall an die “unsichtbare Hand” eines Adam Smith, die die Märkte auf eine vernünftige Weise regelt und verwaltet.

Das heißt, Keynesianer und Vertreter der verschiedenen Schulen des Keynesianismus gehen davon aus, dass Märkte jederzeit versagen und schwere Wirtschaftskrisen entstehen können.

Der New Keynesian Joseph Stiglitz brachte diese Skepsis angesichts der klassischen wirtschaftsliberalen Theorie einer “unsichtbaren Hand“, die die Märkte leitet und unregulierte Märkte von selbst effizient macht, einmal in Fora TV vor ungefähr einem Jahr auf witzige Weise zum Ausdruck. Sein “statement“: “The reason why the invisible hand is often invisible is because it is often not there” (Siehe hierzu den Auftritt von Stiglitz in Fora TV in YouTube).

New Keynesians gehen also von der Unberechenbarkeit, Unvorhersehbarkeit und vom möglichen Versagen der Finanzmärkte, Banken und Börsen aus. Unter anderem deshalb befürworten sie staatliche Regulierungen des Finanzmarktes, der Banken und Börsen und befürworten staatliche Intervention und Steuerung des wirtschaftlichen Gesamtsystems.

Der Neoliberalismus hingegen beruht in seiner Praxis auf einigen, wenigen Grundideen:

Erstens den Staat verschlanken, bzw. abbauen, insbesondere die Sozialsysteme, um so Kosten einzusparen und die Staatsausgaben und die Staatsschulden zu senken.

Die Gewerkschaften werden von den neoliberal bestimmten Politikern als Feinde eines freien Marktes betrachtet. So zerschlug zum Beispiel Margaret Thatcher Anfang der 80er-Jahre in England die mächtigen Bergarbeitergewerkschaften (Siehe hierzu den Wikipedia-Eintrag).

Zweitens die Steuern senken, insbesondere die Spitzensteuersätze.

Drittens die Deregulierung der Märkte und viertens die Privatisierung staatlichen Eigentums und staatlicher Monopole.

Mit diesen Maßnahmen sollen die Marktkräfte voll hergestellt und wirsam werden, und da die Märkte ihrer Meinung nach rational und vernünftig funktionieren und im Sinne der “unsichtbaren Hand” Adam Smiths eigentlich nicht versagen können, ist dieses markt- und angebotsorientierte System für die neoliberalen Ökonomen das sinnvollste und effizienteste System.

Von den sozialen Härten und dem automatisch sich damit einstellenden großen Verteilungsungleichgewicht des Reichtums in der Bevölkerung bei der Anwendung dieses Systems sehen die neoliberalen Ökonomen in der Regel ab, bzw. sie verlassen sich auf den Kampfeswillen und die Gier der Marktakteure, die letztendlich nach ihrer Vorstellung dem wirtschaftlichen Gesamtsystem dient. Wer in diesem Kampf untergeht, hat dies nach den sozialdarwinistischen Vorstellungen der Neoliberalen eben so verdient.

An solch eine eher simple und marktgläubige Theorie glauben die New Keynesians auf keinen Fall.

Die New Keynesians, wie schon vorher erläutert, gehen von der Unvorhersehbarkeit des Marktes und vom jederzeit möglichen Marktversagen aus, befürworten deshalb klare und umfassende Regulierungen. Einen Abbau des Staates, gerade im Sozialbereich und der Privatisierung für die Gesellschaft überlebenwichtiger staatlicher Sektoren stehen die New Keynesians eher skeptisch gegenüber.

Keynes war kein Befürworter hoher Steuern, aber eine grundsätzliche und automatisch Herabsetzung der Steuern, gerade auch der Spitzensteuersätze, stehen die Vertreter der “New Keynesian economics” ebenfalls skeptisch gegenüber, da im Keynesianismus dem Staat wichtige Funktionen zufallen.

So soll im Keynesianismus der Staat im Fall eines Marktversagens und einer Wirtschaftskrise mit gezielten Investionen (deficit spending) gegensteuern und den Markt wieder ankurbeln. Der Markt wird also von einem starken Staat begleitet, der den Markt reguliert und intervenierend eingreift, wenn der Markt versagt und der dazu auch die notwendigen Finanzreserven bereithält.

Wenn der Markt dann wieder funktioniert und die Arbeitslosenzahlen wieder deutlich gesunken sind, sieht der Keynesianismus vor, dass die vorher vom Staat getätigten Ausgaben wieder über höhere Steuern hereingeholt werden und Rücklagen für den nächsten konjunkturellen Abschwung gebildet werden, dem dann wieder gegengesteuert werden muss. Und da die Wirtschaft nun einmal naturgemäss wellenförmigen Konjunkturzyklen unterliegt, kommt der nächste Abschwung ganz bestimmt.

Der erwirtschaftete Gewinn der Unternehmen soll im Keynesianismus über höhere Löhne an die Arbeitnehmer weitergegeben werden, um so die Nachfrage und die Kaufkraft der Bevölkerung und den Binnenmarkt zu stärken. Die New Keynesians glauben an das innen- und außenwirtschaftliche Gleichgewicht (Magisches Viereck). Eine einseitige Exportorientierung und eine unausgeglichene Handelsbilanz mit massivem Exportüberschuss, wie es zum Beispiel für Deutschland seit vielen Jahren vorliegt, wird als ungünstig für die weltweite Gesamtökonomie betrachtet, da sie die Wirtschaftsräume destabilisiert.

Schon gar nicht glaubt ein New Keynesian (Joseph Stiglitz bringt seine Skepsis in diesem Punkt im obigen Interview in Fora TV klar zum Ausdruck) dass die ungebremste Gier der Marktakteure, zum Beispiel der Banker, dem wirtschaftlichen Gesamtsystem dienlich sein muss.

Vielmehr kann die kurzsichtige Gier der Marktakteure, zum Beispiel der Banker, sehr schädlich sein. Im Fall der Finanz– und Bankenkrise, die im Jahre 2007 begann, war dies klar zu beobachten, denn ursächlich für die Katastrophe war die ungebremste Immobilienspekulation im Gefolge der Niedrigzinspolitik der Federal Reserve Bank und die Gier der US-Banken, die dann fragwürdige subprime-Kredite an Schuldner ohne ausreichende Bonität vergeben haben.

Dies also nur als kurzer, grober Vergleich der neoliberalen, angebotsorientierten, monetaristischen Schule mit der nachfrageorientierten keynesianischen Schule.

Skidelskys Leistung nun in diesem Buch ist es auf differenzierte Weise zu zeigen, auf welchen Prämissen und Grundideen die Wirtschaftstheorie von Keynes beruhte.

Meine obige Zusammenfassung ist natürlich verkürzend, wer es genauer wissen will, sollte vor allem das Kapitel 4 des Buches mit dem Titel “Keynes´s Economics” gewissenhaft durchlesen.

Zentral in diesem Buch ist dann ebenfalls Kapitel 5 mit dem Titel “The Keynesian Revolution: Success of Failure“, wo Skidelsky die Leistungsfähigkeit einer eher keynesianisch orientierten Wirtschaftspolitik, wie wir sie in den meisten westlichen Ländern ab dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis Mitte der siebziger Jahre hatten, mit der Leistungsfähigkeit einer eher neoliberal, monetaristisch und angebotsorientierten Wirtschaftspolitik, wie wir sie ganz klar seit den beginnenden 80er-Jahren haben, miteinander vergleicht.

Die Zahlen sprechen für sich: Bis Ende der siebziger Jahre hatten wir ein durchschnittliches weltweites Wirtschaftswachstum von ungefähr 5%, während in der Zeit danach das durchschnittliche weltweite Wirtschaftswachstum auf ca. 3% herabfällt.

Zugleich haben wir seit den 70er-Jahren, sich aber ab Beginn der 80er-Jahre massiv steigernd, zunehmend hohe Arbeitslosenzahlen.

Aber abgesehen von einer möglichen höheren wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einer keynesianischen Politik spricht vor allem noch ein weiterer Punkt für die Anwendung keynesianischer Ideen und für – so Skidelsky – “The Return of the Master” oder “The Return of Keynes”.

Was Keynes interessant macht, ist, dass er nicht nur Ökonom, sondern letztlich auch ein Moralist war.

Keynes Wirtschaftskonzept sollte nicht nur eine hohe Wirtschaftsleistung und ein hohes Wachstum garantieren, sondern es sollte auch ein System sein, das breiten Bevölkerungsschichten dient.

Daß heißt, Keynes visierte als Ziel eine Gesellschaft an, in der ein grosserTeil der Bevölkerung am gesamtgesellschaftlichen Reichtum teilhat und das Einkommen mittlerer Lohn- und Gehaltsempfänger, mittlerer Existenzen möglichst hoch ist.

Der Neoliberalismus hingegen begünstigt nur eine kleine Spitze der Gesellschaft, die auf diese Weise extrem reich wird.

Das System von Keynes zielte auf den Reichtum breiter Mittelschichten und arbeitender Menschen ab und nicht nur auf den Reichtum von Managern, Firmenbesitzern und Aktionären.

Und so ist das System von Keynes auch gestrickt, und tatsächlich hatten wir bis in die Mitte der 70er-Jahre auch in der Bundesrepublik eine breite Mittelstandsgesellschaft, während wir seit den 80er-Jahren, seit der Anwendung marktradikaler und neoliberaler Ideen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik zunehmend eine Aufspaltung der Gesellschaft in Arme und Reiche und eine schwindende Mittelschicht beobachten können.

Zurecht kam daher schon in den 80er-Jahren der Begriff der “Zwei-Drittel-Gesellschaft” auf. Heute reden manche von der von der „Einfünftelgesellschaft“ bzw. der „20-zu-80-Gesellschaft“ oder gar von der 1%-Gesellschaft (der jeweiligen superreichen Oberschicht der Gesellschaft), der 99% von “Normalbürgern” entgegensteht.

Im Wikipedia-Artikel “Vermögensverteilung in Deutschland” erfahren wir unter anderem: “Die Berechnungen des DIW (2011) auf Basis derselben SOEP-Daten mit zusätzlichen Daten zu besonders hohen Vermögen (die üblicherweise im SOEP nicht erfasst sind) von 2007 ergibt sich für die Vermögenskonzentration von Personen ab 17 Jahren die rechts stehende Aufstellung (hier ist eine entsprechende Tabelle zur aktuellen Vermögensverteilung in Deutschland aufzufinden, Anmerkung von mir).

Demnach besitzt das Top-10 % 2007 zwei Drittel des Gesamtvermögens, die reichsten 0,1 % (weniger als 70 000 Personen) besitzen fast ein Viertel des Gesamtvermögens. Die reichsten 0,1 %, weniger als 70 000 Personen) besitzen gemeinsam über 15mal mehr als die Hälfte der Personen ab 17 Jahre (etwa 35 000 000). Die Top 0,5 % (etwa 350 000 Personen) besitzen gemeinsam etwa so viel Vermögen wie die unteren 90 Prozent (etwa 63 000 000 Personen). Der Gini-Index liegt nach dieser Berechnung des DIW für das Jahr 2007 bei 0,8097″.

Dass also Keynes letztendlich ein Moralist mit moralisch begründeten wirtschaftspolitischen Zielen war (unter anderem sah er ein Ende des Wachstums voraus, dann, wenn die vordringlichen und vernünftig erscheinenden Konsumwünsche der breiten Masse der Bevölkerung befriedigt seien) dies spricht mindestens genauso für Keynes wie die Tatsache, dass sein Konzept wirtschaftlich von der Gesamtleistung her bessere Ergebnisse und bessere Zahlen erbringt.

Keynes war übrigens auch persönlich ein sehr interessanter Mann. Er war Mitglied des “Bloomsbury Group” und bisexuell. Zur “Bloomsbury Group” gehörten  Virginia Woolf, Leonard Woolf, Lytton Strachey, James Strachey, Vanessa Bell, Clive Bell, Roger Fry, Rupert Brooke und vor allem dem Maler Duncan Grant, mit dem Keynes von 1908 bis 1915 eine Liebesbeziehung hatte. Mit einigen von ihnen lebte er in einem gemeinsam gemieteten Haus im Londoner Stadtteil Bloomsbury (Brunswick Square 38).

Im Jahre 1925 heiratete er russische Balletttänzerin Lydia Lopokova. Die Hochzeit war ein gesellschaftliches Ereignis. Vogue veröffentlichte ein ganzseitiges Foto mit der Unterschrift: „Die Heirat des brilliantesten englischen Volkswirtschaftlers mit der beliebtesten russischen Tänzerin ist ein schönes Symbol für die gegenseitige Abhängigkeit von Kunst und Wissenschaft”.

Bertrand Russell bezeichnete Keynes als den intelligentesten Menschen, den er je traf. Im Jahr 1942, vier Jahre vor seinem Tod, wurde Keynes als Baron Keynes of Tilton in the County of Sussex geadelt und erhielt einen Sitz im House of Lords.

Keynes war auch ein geschickter Investor an der Börse und dadurch ein reicher Mann. Am Ende seines Lebens hatte er ein Vermögen von £ 500,000 Pfund Sterling – was heute  £11 Millionen Pfund Sterling ($16.5 Millionen US-Dollar) entsprechen würde.

Keynes war ein Liebhaber von Büchern und vor allem des Theaters (er unterstützte finanziell das Cambridge Arts Theater) und er hatte eine Sammlung von Gemälden, die Bilder von Paul Cézanne, Edgar Degas, Amedeo Modigliani, Georges Braque, Pablo Picasso, und Georges Seurat enthielt.

Zur Person John Maynard Keynes und zu seinen Theorien empfehle ich euch vor allen den englischen Wikipedia-Eintrag zu Keynes, der viel ausführlicher ist als der deutsche Wikipedia-Eintrag zu Keynes ist. 

Angesichts der Ursachen und Folgen der Finanzkrise ab 2007 muss man Skidelsky Recht geben: Spätestens seit der globalen Finanzkrise ab 2007  ist es Zeit für eine Rückkehr des Meisters.

Creative Commons Lizenzvertrag Robert Skidelsky: Keynes – The Return of the Master (2009) Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

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