“No End in Sight” (2007)

Den zweiten Film, den ich am Wochenende gesehen habe, war “No End in Sight” von Charles Ferguson aus dem Jahr 2007 (es gibt einen Wikipedia-Eintrag zu diesem Film).

Es gab ja schon einige gute Spielfilme zum amerikanischen Kriegsdesaster im Irak.

Dazu gehören der oscargekrönte Film “The Hurt Locker” von Kathryn Bigelow, der Film “In the Valley of Elah” von Paul Haggis, der Film “The Messenger” von Oren Moverman und vom Altmeister Brian De Palma der genialische, halbdokumentarisch inszenierte Film “Redacted“.

Dieser Dokumentarfilm mit dem Titel “No End in Sight” berichtet nun über die amerikanische Besetzung des Irak im Gefolge des Irakkrieges, den George W. Bush gegen Saddam Hussein und den Irak im Jahre 2003 geführt hat.

Der Film zeigt zu Anfang, wie die Bush-Administration (seine Hauptmitarbeiter waren der Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der stellvertretende Verteidigungsminister Paul Wolfowitz, der Vizepräsident Dick Cheney und die nationale Sicherheitsberaterin und ab 2005 Außenministerin Condoleezza Rice) die Gründe für den Angriff auf den Irak frei erfunden und an den Haaren herbeigezogen und die amerikanische Bevölkerung mit Lügen, Verdrehungen und Halbwahrheiten von der angeblichen Notwendigkeit dieses Krieges überzeugt haben.

Der eigentliche Grund für den Angriff waren die riesigen Erdölreserven des Irak. Der Irak soll nach Saudi-Arabien die zweit- oder drittgrößten Erdölreserven weltweit beherbergen (Siehe hierzu meinen Artikel: “Michael T. Klares `Blood and Oil´(2008) und die Vereinigten Staaten heute“)

Nach dem erfolgreichen Krieg der U.S.A. gegen Saddam Hussein und den Irak (die Amerikaner gewannen diesen Krieg mit Leichtigkeit) begann aber das eigentliche Desaster im Irak, und über dieses Desaster berichtet dieser Film von Charles Ferguson mit dem vielsagenden Titel “No End in Sight” (Deutsch: “Kein Ende in Sicht”) dann ausführlich: Das Desaster der Besetzung des Irak, während der die Amerikaner schon in der Anfangsphase die entscheidensten und schwersten Fehler gemacht haben.

So haben die amerikanischen Soldaten bei den gigantischen Plünderungen, die direkt nach dem Einmarsch der Amerikaner im Irak und vor allem auch Bagdad massiv stattfanden, auf Befehl der Bush-Administration nicht eingegriffen.

Der Beauftragte der Bush-Administration für den Irak ab Mai 2003 Paul Bremer hat dann in dieser ersten, entscheidenden Zeit der amerikanischen Besetzung des Irak weitere schwere Fehler gemacht: So hat er alle Armee-Angehörigen des Irak entlassen, womit Hunderttausende von Ex-Soldaten arbeitslos im Land verblieben, und die damit ein gewaltiges und gefährliches Menschenreservoir für die kommenden Revolten und Terroranschläge im Irak bildeten.

Die Amerikaner machten sich somit die einstmals allmächtige Armee im Irak auf diese Weise zum Feind.

Die Waffen der irakischen Armee wurden von den Amerikanern weder überwacht noch konfisziert, sondern landeten meist in den Händen ihrer zukünftigen Gegner im Irak, den Terroristen und ehemaligen Armeeangehörigen, die sich für den kommenden Kampf mit den Amerikanern so bewaffneten.

Ebenso entmachtete Paul Bremer die unter Saddam Hussein regierende Baath-Partei und ihre Mitglieder und nahm ihnen ihre Stellen und beraubte damit den Irak seiner Funktionseliten, die fast alle der Baath-Partei angehörten. Auch diese Leute machten sich damit die Amerikaner zum zukünftigen Feind.

Überhaupt fand für die Besetzung des Irak praktisch keine Vorausplanung statt, die ganze Besetzung und Verwaltung des Irak durch die Amerikaner war eine ungeplante, chaotische Hauruckaktion mit kaum planerischem Vorlauf, keine 6 Monate Vorausplanung gingen der von der Bush-Administration hirnlos angeordneten und durchgeführten Besetzung voraus.

Entsprechend deprimierend war dann natürlich das Ergebnis dieser dilettantischen Aktion: Die Amerikaner machten sich wichtige Schichten der irakischen Bevölkerung zum Feind, die Terroranschläge und der Aufstand (zum Beispiel in Falludscha) ließen nicht lange auf sich warten. Im Fall von Falludscha reagierten die Amerikaner mit roher Gewalt und zerstörten die Stadt und vernichteten gnadenlos die Aufständischen.

Überhaupt machten sich die Amerikaner von Anfang an durch ihre brutalen und rücksichtslosen Hausdurchsuchungen und Verhaftungsaktionen viele Feinde in der Bevölkerung, die dann teilweise dazu überging, die Terrorgruppen im Lande zu unterstützen.

Schon nach kurzer Zeit der amerikanischen Besetzung versank dann das Land als Folge der vielen Fehlentscheidungen der Amerikaner in Chaos und Anarchie.

Die Amerikaner verschanzten sich schwer gepanzert in der geschützten “Green Zone” von Bagdad, während der Rest der Riesenstadt und im Grunde das ganze restliche Land in die Hand radikaler islamistischer Führer wie Mukta al-Sadr und seiner Mahdi-Milizen und anderer mehr oder minder terroristischer und krimineller “warlords” gerieten, die alle gegen die Amerikaner kämpften und die amerikanischen Soldaten Tag für Tag angriffen und dezimierten. Die Amerikaner haben jetzt, im Jahre 2011, über 4700 tote und 32.000 verwundete Soldaten zu beklagen (Siehe hierzu den Wikipedia-Eintrag zum Irakkrieg).

Und diese Situation, die sich im Gefolge der amerikanischen Fehlentscheidungen im Jahre 2003 im Irak etablierte, verfestigte sich in den darauffolgenden Jahren, mit dem Ergebnis, dass im Jahr 2007, dem Jahr, an dem der Film in die Kinos kam, “No End in Sight”, bzw. “Kein Ende in Sicht” war.

Charles Ferguson zeigt das blutige Dilemma, in dem sich die amerikanischen Soldaten befinden, und erklärt detailliert und präzise seine Ursachen, die eklatanten Fehlleistungen der Bush-Administration in der Anfangsphase der Besetzung des Landes. Selten hat man einen Film gesehen, in dem Regierungsspitzen einer globalen Supermacht ein derart jämmerliches Bild von blutigen, inkompetenten Dilettanten abgeben. George W. Bush, so hat man in diesem Film den Eindruck, war in erster Linie kein böser oder skrupelloser Präsident, sondern vor allem ein geistig beschränkter und inkompetenter Mann, und seine engsten Mitarbeiter sehen in diesem Film nicht viel besser aus.

Keiner von ihnen, weder Rumsfeld, Cheney, Wolfowitz noch Rice, war übrigens bereit, in diesem Film vor die Kamera zu treten und Rechenschaft über ihre Arbeit abzuliefern. Alle verweigerten sich den Interviewangeboten von Charles Ferguson.

Jetzt, im Jahre 2011, ist zumindest für die amerikanischen Soldaten schon seit längerer Zeit ein Ende des blutigen Dilemmas in Sicht. Der aktuelle amerikanische Präsident Barack Obama, der immer gegen diesen Krieg war, will sich nun endgültig aus dem Irak zurückziehen. Der Beschluß fiel schon im Jahre 2009, bis August 2010 wollten die Amerikaner komplett abziehen, bis auf eine Resttruppe zur Terrorbekämpfung von 50.000 Mann, die im Land verblieben ist und die das Land dann endgültig im Jahr 2012 verlassen soll (siehe hierzu nochmals den Wikipedia-Eintrag zum Irakkrieg).

Was aus dem Irak wird, ist allerdings ungewiss, die Terroranschläge gehen weiter (siehe folgende Meldung aus tagesschau.de vom 18. Januar dieses Jahres) und ob die irakische Regierung sich jemals fest etabliert und das Land jemals wieder richtig stabil wird, steht in den Sternen.

Charles Ferguson hat übrigens nicht durch diesen Film gemacht, sondern auch ein gleichnamiges Sachbuch zum Thema, ebenfalls mit dem Titel “No End in Sight” verfasst. Dort wird das Thema wohl mit noch größerer Dichte und mit noch mehr Detailreichtum präsentiert als im Film.

Es lohnt sich auf jeden Fall, diesen Film anzuschauen. Selten hat man so kompakt und komplett die Hintergründe der ersten Zeit der Besetzung des Irak in einem Film präsentiert bekommen.

Creative Commons Lizenzvertrag“No End in Sight” (2007)Klaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

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