Michael T. Klares “Blood and Oil” (2008) und die Vereinigten Staaten heute

Viele von euch werden sich sicher fragen, was es mit dem Irakkrieg auf sich hat, der im Jahre 2003 von den USA gegen den Irak geführt wurde. Noch jetzt sind amerikanische Truppen im Irak stationiert, und der Krieg im Inneren des Irak, der Krieg der amerikanischen Besatzungstruppen gegen die Vielzahl der islamistischen Terrorgruppen im Irak, läuft seit vielen Jahren unbeschränkt weiter.

Es gab ja zwei Kriege, die von den USA. gegen den Irak geführt wurden. Der erste Krieg der Amerikaner gegen Saddam Hussein und den Irak, der Zweite Golfkrieg, wurde im Jahre 1990 von George H. W. Bush geführt, also dem Vater, der zweite Krieg, der Irakkrieg, wurde im Jahre 2003 von George W. Bush, dem Sohn geführt.

Der Erste Golfkrieg von 1980 bis 1988 war übrigens der Grenzkrieg zwischen dem Irak und dem Iran, und bei dieser Gelegenheit war Saddam Hussein noch ein Freund der U.S.A. und er bekam damals in diesem Krieg noch Unterstützung von den Vereinigten Staaten.

Gut, was hat es also mit diesen Kriegen auch sich?

In den USA gibt es Spezialisten, die das Thema der amerikanischen Politik im Nahen Osten im Zusammenhang mit der amerikanischen Ölpolitik und ihre Hintergründe bestens kennen.

Zu ihnen gehört Michael T. Klare, der als Professor an den berühmten “five colleges” von Massachusetts und an der University of Massachusetts Amherst lehrt. Ich selbst habe übrigens im Jahre 1990 an dieser Uni studiert und ich habe damals natürlich auch die teuren und elitären “five colleges” kennengelernt. Die University of Massachusetts und die “five colleges” sind linksliberal geprägt und es gibt dort eine ganze Reihe von kritischen Professoren und Dozenten.

Gut, Michael T. Klare ist also unter anderem Spezialist für das Thema der amerikanischen Nahost- und Ölpolitik.

In seinem brillianten Buch und dem ebenfalls brillianten Film zu diesem Thema der amerikanischen Nahost- und Ölpolitik, beide mit dem Titel “Blood and Oil”, legt Michael T. Klare die Hintergründe der amerikanischen Nahost- und damit zugleich auch Ölpolitik offen. Er zeigt, wie die U.S.A. aufgrund ihrer massiven Abhängigkeit von hohen Öleinfuhren ab dem Zweiten Weltkrieg konsequent die Politik verfolgt haben, das Erdöl in der Golfregion mit allen Mitteln für sich zu sichern. Es gibt eine gute Online-Streaming-Version dieses Films im Netz, die zugleich downloadbar ist. Ich empfehle den Download des Films, da der Film sonst öfters stockt, um zwischen zu speichern.

Sowohl das Buch als auch der Film (UK-Import!) ist bei amazon.de erhältlich.

Schon unter Franklin Delano Roosevelt, so Michael T. Klare, fiel die Entscheidung, eine strategische Allianz mit dem Königshaus der Sauds in Saudi-Arabien aufzubauen. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sichern die U.S.A. das absolutistisch regierende Königshaus militärisch. Im Gegenzug sichert das Königshaus der Sauds den USA die notwendigen Erdöllieferungen zu.

Was ist der Hintergrund dieser Politik? Der Zweite Weltkrieg zeigte, dass man nur eine militärische Supermacht sein kann, wenn man über die notwendigen Öl- und damit Benzinreserven verfügt, um einen globalen Krieg wie den Zweiten Weltkrieg führen zu können. Und im Zweiten Weltkrieg haben die U.S.A. ein Drittel ihrer ganzen Erdölreserven verbraucht. Damit war ab dem Ende des Zweiten Weltkriegs klar, dass die USA Erdöleinfuhren aus anderen Ländern brauchen, wenn sie ihren Status als Supermacht behalten wollten. Aber auch die Wirtschaft eines Landes wird vor allem durch das Erdöl am Laufen gehalten. Ohne das Erdöl läuft in den entwickelten Wirtschaftsnationen dieser Welt nichts.

Franklin Delano Roosevelt begriff dies und handelte deshalb konsequent realpolitisch, wenn er sich mit dem absolutistischen und korrupten Königshaus der Sauds verständigte und zu einer für beide Seiten nützlichen Absprache gelangte. Alle amerikanische Präsidenten seit Franklin Delano Roosevelt haben diese Politik der Verständigung und der Absprache mit dem Königshaus der Sauds konsequent weiterverfolgt.

Franklin Delano Roosevelt zog also im Zweiten Weltkrieg die Konsequenzen aus dieser Tatsache und sicherte seinem Land das Öl der Sauds. Auch der massive Aufschwung der U.S.A. nach dem Zweiten Weltkrieg, der unter anderem durch die damals gigantische amerikanische Autoindustrie mit ihren benzinfressenden Luxusautos geprägt war, die im großen Stil das damals in den USA sehr billige Benzin konsumierten, ist nur vor diesem Hintergrund erklärbar und verstehbar.

Seit dem Zweiten Weltkrieg ist es also eine absolute Priorität der USA, sich unter allen Umständen das Öl der Golfregion zu sichern, mit allen Mitteln, auch kriegerischen.

Die USA hat bis heute einen gigantischen Ölverbrauch und ist bis heute vollkommen vom Erdöl abhängig (siehe hierzu den Wikipedia-Eintrag): Von den ca. 87 Millionen Barrel Erdöl, die Tag für Tag auf der Welt verbraucht werden, verbrauchen allein die USA 20,1 Millionen Barrel (zum Vergleich: Deutschland, das auch zu den Hauptverbrauchern gehört, verbraucht 2,7 Millionen Barrel. China, das eine viel größere Bevölkerung als die USA hat, verbraucht im Moment 6 Millionen Barrel).

Ein Viertel der weltweiten Erdölreserven werden also von den U.S.A. verbraucht, und genau darin liegt das Problem für die USA: Die amerikanischen Präsidenten haben seit dem Zweiten Weltkrieg die absolute Priorität, sich das Erdöl der Golfregion zu sichern, wo die größten weltweiten Erdölreserven liegen, mit allen Mitteln, auch kriegerischen. Denn die eigenen Erdölreserven der U.S.A. reichen durchaus nicht aus, um den immensen Bedarf des Landes zu decken. Spätestens seit den achtziger Jahren sind die U.S.A. massiv von zusätzlichen Einfuhren von Erdöl vor allem aus der Golfregion abhängig.

Der zweite Golfkrieg und vor allem der Irakkrieg dienten, wie Michael T. Klare ganz klar zeigt, nur einem Ziel: Den U.S.A. die Erdölreserven des Irak zu sichern. Der Irak hat nach Saudi-Arabien und dem Iran die größten Erdölreserven weltweit (siehe hierzu die Wikipedia-Tabelle).

Da Saddam Hussein und der Irak sich seit der Invasion des ebenfalls erdölexportierenden Emirats Kuwait durch den Irak im Konflikt nicht nur zu Kuwait, sondern auch zu den U.S.A. befand, war es logisch, dass die U.S.A. irgendwann einmal den Irak besetzen würden, um sich das Öl des Irak zu sichern. Die Invasion Kuwaits durch den Irak und Saddam Hussein war ja der Auslöser für den Zweiten Golfkrieg im Jahr 1990. Damals allerdings wurde der Irak noch nicht besetzt, obwohl die U.S.A. den Krieg selbstverständlich gewonnen haben.

Seit 1990 also stand für die U.S.A. die Besetzung des Irak und die Sicherung seiner Erdölreserven auf der Agenda. Nach den Terroranschlägen von al-Qaida auf die New Yorker Twin Towers am 11. September 2001 eröffnete George W. Bush seinen “Krieg gegen den Terror” und führte erst einmal im Jahre 2001 einen Krieg gegen Afghanistan, da hier die Basis von al-Qaida lag. Die Führungsspitze von al-Qaida, insbesondere Osama bin Laden, entkamen allerdings den Amerikanern, womit sich von dieser Seite her der Krieg gegen Afghanistan von Anfang an als Fehlschlag präsentierte.

Auch heute sind noch internationale (auch deutsche) Besatzungstruppen, die sogenannte ISAF, in Afghanistan, und natürlich auch amerikanische Besatzungstruppen, die teilweise auch unter dem Kommando der ISAF stehen, und wir haben dort genau das gleiche Dilemma wie im Irak: Die islamistischen Kämpfer, in Afghanistan sind es vor allem die Taliban-Milizen, sind in diesem bergigen Land voller natürlich geschützter Rückzugsgebiete nicht zu schlagen. Und sie bedrohen die Sicherheit der internationalen und der amerikanischen Truppen, greifen diese oft an, was konstant zu Verletzungs- und Todesopfer unter den internationalen und amerikanischen Truppen führt. Auch deutsche Soldaten sind in diesem schleichenden Krieg schon verletzt und getötet worden.

So hat sich also auch der Krieg im Inneren von Afghanistan, genau wie der Krieg im Inneren vom Irak, als dauernde Belastung für die USA und im Fall Afghanistans auch für die internationalen Truppen erwiesen, und der Krieg im Inneren von Afghanistan ist wohl, genau wie der Krieg im Inneren des Irak, für die amerikanischen und im Fall von Afghanistan auch internationalen (einschließlich deutscher) Truppen auf Dauer nicht zu gewinnen.

Im Anschluß an den Krieg in Afghanistan stellte George W. Bush in seinen Reden vor laufenden Kameras mit propagandistischer Absicht einen Zusammenhang zwischen al-Qaida, den Terroranschlägen vom 11. September und dem Irak und Saddam Hussein her, der schon von seinem Vater George H.W. Bush anläßlich des Zweiten Golfkriegs zu einer Art “Hitler des Nahen Ostens” hochstilisiert wurde, obwohl er einmal ein Freund der U.S.A. gewesen war.

Heute wissen wir, dass diese Argumente von George W. Bush alle frei erfunden waren. Weder gab es im Irak Massenvernichtungswaffen noch hat der säkulare und wenig religiöse Diktator Saddam Hussein jemals daran gedacht, die islamistische Terrororganisation al-Qaida zu unterstützen.

Das heißt, George W. Bush und seine Mitarbeiter wie zum Beispiel sein damaliger Verteidigungsminister Donald Rumsfeld haben das alles nur aus einem Grund frei erfunden: Sie wollten an das Erdöl der Iraker herankommen und Saddam Hussein, den unbequemen, gegenüber den U.S.A. ungehorsamen Diktator, beseitigen (Siehe hierzu den Wikipedia-Eintrag: Begründung für den Irakkrieg. Die geostrategischen und wirtschaftlichen Erwägungen der amerikanischen Administration unter George W. Bush  – Erdölreserven des Irak – werden hier ziemlich genau erläutert).

George W. Bush hat es dann auch getan, er hat den Irakkrieg im Alleingang geführt, ohne UNO-Mandat, nur mit seiner “Koalition der Willigen“, das heißt mit denjenigen Staaten, von denen die U.S.A. bei diesem Alleingang unterstützt wurden. Und Saddam Hussein wurde am Ende hingerichtet.

Das ist das ganze Geheimnis des Irakkrieges.

War nun George W. Bush ein “böser” amerikanischer Präsident?

Das vielleicht nicht, wie gesagt, es war die Politik der amerikanischen Präsidenten seit Franklin Delano Roosevelt, sich das Öl der Golfregion zu sichern, unter allen Umständen, auch mit militärischen Mitteln.

Wie Michael T. Klare ganz klar zeigt, stand George W. Bush mit seiner Politik gegenüber dem Irak und mit dem Irakkrieg in einer Tradition amerikanischer Präsidenten seit dem Zweiten Weltkrieg, die vielleicht alle in solch einem Fall nicht viel anders gehandelt hätten.

Ob sich der Irakkrieg allerdings für die USA dauerhaft rechnen wird, ist eine andere Frage.

Die amerikanischen Soldaten im Irak haben vor allem die Aufgabe, die Erdölförderung zu sichern, also sichern sie die Erdölförderungsanlagen, Raffinerien und Pipelines im Irak.

Aber die internationalen islamistischen Terrorgruppen, nicht nur al-Qaida, haben den Kampf im Irak mittlerweile zu ihrem Hauptziel gemacht. Deshalb werden unzählige Anschläge nicht nur auf die amerikanischen Besatzungstruppen, sondern auch auf die Erdölförderungsanlagen, Raffinerien und Pipelines verübt, die dadurch konstant beschädigt und in ihrer Fördermenge begrenzt werden. Im Jahre 2009 hat der Irak weniger Öl gefördert als im Jahre 1980 (siehe hierzu die Wikipedia-Tabelle).

Allerdings sind seit einem Jahr Anzeichen erkennbar, dass die Lage sich vielleicht etwas bessern könnte (siehe hierzu den Artikel in “n-tv.de”). Die Zahl der Anschläge ist seit 2010 rückläufig und die irakische Wirtschaft erholt sich anscheinend langsam. Ob dies ein dauerhafter Prozess ist und das Land sich wirklich stabilisiert, wird sich aber erst zeigen müssen. Sichern kann man diesen Prozess aber vielleicht nur durch die massive amerikanische Militärpräsenz, die extrem kostspielig ist und regelmäßig Todesopfer unter den amerikanischen Besatzungstruppen fordert. Und die Amerikaner wollen demnächst aus dem Irak abziehen. Was dann aus dem Land wird, steht in den Sternen.

Die Kosten für den Irakkrieg und auch den Krieg in Afghanistan sind in den U.S.A. enorm, und das Budget der Amerikaner ist mehr als überstrapaziert durch die Kriegskosten für die Kriegsführung im Inneren des Irak und im inneren Afghanistans und vor allem die Kosten für den militärisch-industriellen Komplex allgemein in den U.S.A (siehe den Wikipedia-Eintrag zum “militärisch-industriellen Komplex” allgemein, auch in der Bundesrepublik Deutschland).

Zum militärisch-industriellen Komplex in den U.S.A. und das Anwachsen dieses letztendlich unproduktiven Riesenzweigs der amerikanischen Industrie unter George W. Bush siehe den guten Online-Artikel aus dem Jahre 2003 – dem Jahr des Irakkrieges – von Michael Hennes auf der Website der “Bundeszentrale für Politische Bildung”: “Der neue Militärisch-Industrielle Komplex in den U.S.A.“.

Welchen Umfang der militärisch-industrielle Komplex in den USA auch unter dem neuen Präsidenten Barack Obama hat, zeigt folgender Artikel aus “Zeitkritiker”, eine Übersetzung eines Artikels des amerikanischen Kritikers des militärisch-industriellen Komplexes in den U.S.A. Rick Rozoff, der in der Metropole Chicago wohnt (siehe zum militärisch-industriellen Komplex in Amerika auch den entsprechenden amerikanischen Wikipedia-Eintrag).

Das Budget für Militärausgaben ist in den U.S.A. gigantisch: Für das Jahr 2010 belief es sich auf 663.8 Milliarden Dollar (siehe hierzu den amerikanischen Wikipedia-Eintrag).

Die ungeheuren Kosten für den industriell-militärischen Komplex in den U.S.A. und für die Kriege, die unter anderem der Sicherung der Erdölversorgung der U.S.A. dienen, sind auch der eigentliche Grund dafür, warum manche Bereiche des amerikanischen Staates im Vergleich zu sogar wesentlich ärmeren südeuropäischen Staaten (wie zum Beispiel Spanien) deutlich unterentwickelt sind. So gibt es in den U.S.A. keine für alle zugängliche öffentliche Gesundheitsversorgung, was es selbstverständlich in einem Land wie Spanien gibt.

Zum Gesundheitssystem in den U.S.A. siehe den ausführlichen Wikipedia-Eintrag.

Zu den Paradoxien des US-amerikanischen Gesundheitssystems gehört es, dass es nicht nur schlecht funktioniert und die privaten Krankenkassen in den U.S.A. eine fast schon mafiöse Struktur aufweisen, sondern auch, dass es dennoch zu den teuersten Gesundheitssystemen der Welt gehört. Die Amerikaner geben deshalb prozentual mehr Geld für ihre Gesundheitsversorgung aus als zum Beispiel die Deutschen, die alle in der Regel Zugang zur öffentlichen Gesundheitsversorgung haben.

Der neue Präsident Barack Obama, der politisch deutlich links von seinem Vorgänger George W. Bush steht und im Gegensatz zu seinem Vorgänger auch sozialpolitische Ziele verfolgt, wollte das schlecht funktionierende amerikanische Gesundheitssystem reformieren und den Versicherungsschutz auf möglichst alle Amerikaner, vor allem auch alle amerikanischen Kinder ausdehnen und hat nach langem Kampf mit seinen republikanischen Gegnern eine letztendlich abgespeckte Version seiner Gesundheitsreform durchgebracht, die das bisher bestehende amerikanische Gesundheitssystem in einigen Aspekten verbessert. Aber immer noch gibt es 40 Millionen Amerikaner in den U.S.A., die völlig ohne Versicherungsschutz dastehen und für die jede schwerere Krankheit automatisch der finanzielle Ruin bedeutet.

Der Grund für die Armseligkeit der amerikanischen öffentlichen Gesundheitsversorgung und des amerikanischen Sozialsystems insgesamt ist unter anderem in den gigantischen Kosten für den industriell-militärischen Komplex und die Kriege zu suchen, die Amerika immer wieder führt, im Moment ist es vor allem der Krieg im Inneren Afghanistans und im Inneren des Irak, die Tag für Tag Unsummen verschlingen (dpa bezifferte in einer Meldung die täglichen Kosten für den Irakkrieg im März 2008 mit 400 Millionen Dollar). Präsident Barack Obama hat das Problem übrigens erkannt, deswegen hat er den Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak im September 2010 beschlossen und angekündigt (siehe hierzu den Artikel in N24). Der Krieg im Irak hat die Amerikaner über 4000 getötete Soldaten, 32.000 verwundete Soldaten und eine Billion Dollar gekostet.

In Afghanistan will Obama allerdings noch im Moment durchhalten und er hat sogar die Truppen nochmals aufgestockt und er denkt an einen Abzug erst für Mitte 2011. Obama hat die Illusion, den Krieg in Afghanistan gewinnen zu können (siehe hierzu einen Artikel aus “Welt Online”). Durchschlagende Erfolge habe die amerikanischen Truppen allerdings bisher nicht erzielt (Siehe hierzu einen vorsichtig abwägenden Bericht aus “tagesschau.de”) Allerdings: Es ist wahrscheinlich, dass das Abenteuer in Afghanistan genauso enden wird wie im Irak. Am Ende werden die amerikanischen Truppen und die ISAF abziehen müssen, und ob das Land sich dann jemals wieder wirtschaftlich erholt und stabil wird, steht in den Sternen, genauso wie im Falle des Irak.

Bis 2012 wollen die Amerikaner dann ganz aus dem Irak abziehen. Die Gewalt im Irak geht unterdessen allerdings weiter, täglich sterben Iraker bei Terroranschlägen. Ob das Land jemals wieder stabil wird, ist ungewiss.

Ein anderer Grund für die Armseligkeit des amerikanischen Sozial- und Gesundheitssystems ist in der Ideologie konservativer Amerikaner zu sehen, die vor allem durch die Republikanische Partei  in den U.S.A. vertreten wird. Diese konservativen Amerikaner, die sich unter anderem in der letzten Zeit in den “tea-party-Bewegung” organisieren, verteufeln ein Gesundheitssystem nach europäischem Modell als “Sozialismus”, was natürlich völliger Blödsinn ist, aber die Propaganda für derlei Verdrehungen ist in den USA seit der Ankündigung der Gesundheitsreform massiv von Teilen der Republikanischen Partei und rechtslibertären Multimillionären wie den Koch-Brüdern gefördert worden.

Die Demokratische Partei kämpft schon lange für eine Reform des Gesundheitssystems, allerdings hat sie sich bisher immer am Widerstand der konservativen Amerikaner und der Republikanischen Partei die Zähne ausgebissen. So ist damals schon Hillary Clinton während der Präsidentschaft ihres Mannes Bill Clinton an dieser Reform des Gesundheitssystems gescheitert.

Im Grunde trifft auf das heutige Amerika genau das Gleiche zu wie auf das Amerika während des Vietnam-Krieges: Die Kriege, die Amerika führt, und der seit George W. Bush noch weiter gewachsene militärisch-industrielle Komplex insgesamt erweist sich für die Hilfsbedürftigen in den U.S.A., zu denen oft auch Mitglieder der afroamerikanischen Minderheit gehören, bis heute als “some demonic destructive suction tool” (eine Art dämonisches, destruktives Sauginstrument, das das Geld aus dem Land in die Kriege der U.S.A. außerhalb des Landes saugt). Wer hat das während des Vietnam-Krieges laut und öffentlich gesagt? Es war Martin Luther King jr. in seiner brillianten und kritischen Rede zum Vietnam Krieg “Why I am opposed to the war in Vietnam“, in der er unter anderem sagt, die U.S.A. und die amerikanische Öffentlichkeit seien nun “mad on war” geworden. (diese Rede, die ein absolutes rhetorisches und moralisches Meisterstück ist, kann man sich auf YouTube anhören). Diese Vietnam-Rede von Martin Luther King jr. hat bis heute nichts an ihrer Aktualität eingebüßt, genauso wenig seine berühmte Rede “I have a dream“.

Erschwerend kommt noch die internationale Finanzkrise hinzu, die im Jahr 2007 begann und vom US-Immobilienmarkt ausging. Die U.S.A. sind von dieser Krise daher viel mehr betroffen als zum Beispiel Deutschland. Deutschland hat den Rückgang der Exporte in die U.S.A. schnell wieder durch steigende Exporte nach China und Indien ausgleichen können, zwei Riesenländer, die in manchen Jahren bis zu zweistellige Wirtschaftswachstumsdaten aufweisen können. So hat sich zum Beispiel die deutsche Autoindustrie schnell von der Finanzkrise erholt und die Exporte sogar noch steigern können.

Die U.S.A. hingegen ist durch die Immobilienkrise schwer beschädigt, viele Hausbesitzer in den U.S.A. stehen von dem Ruin (siehe hierzu den Artikel aus “Focus Online”) und der amerikanische Staat musste massiv eingreifen, um mehrere US-Banken mit staatlichen Finanzmitteln vor dem drohenden Bankrott zu retten.

Die amerikanische Wirtschaft ist allgemein geschwächt und die früher einmal gigantische US-Autoindustrie ist durch jahrzehntelange Misswirtschaft, Missmanagment und falsche Modellpolitik vor drei Jahren praktisch vor dem Ruin gestanden (siehe hierzu einen Artikel aus “tagesschau.de”). Nur langsam scheint sich die US-Autoindustrie wieder zu erholen (siehe hierzu einen Artikel aus “Zeit Online”).

Insgesamt stellt sich also im Zusammenhang mit dem Irakkrieg nun die Frage, ob sich der amerikanische Einsatz im Irak am Ende finanziell und wirtschaftspolitisch gesehen für die Amerikaner lohnen wird, selbst dann, wenn sie sich das Erdöl des Irak dauerhaft gesichert haben.

Geostrategisch gesehen hat er sich jetzt schon als Fehlschlag erwiesen, denn die Beseitigung Saddam Husseins und des Irak als Machtfaktor in der Region hat am meisten dem ehemaligen Gegner Saddam Husseins, dem Iran gedient und dieses Land damit massiv außenpolitisch und militärisch gestärkt. Und der Iran ist seit den Tagen Chomeinis ein Erzfeind der U.S.A. und betreibt eine Konfrontationspolitik mit den U.S.A., auch unter dem jetzigen Präsidenten Ahmadinedschad.

Was nun die Kosten des Irakkrieges angeht, so schätzt der Nobelpreisträger für Wirtschaft Joseph E. Stiglitz, dass sich die tatsächlichen Kosten des Irakkriegs für die U.S.A. am Ende auf die astronomische Summe von 3 Billionen Dollar anhäufen werden. Die offiziellen Kosten beliefen sich schon im Jahr 2008 auf über 600 Milliarden Dollar (siehe hierzu den Wikipedia-Eintrag zum Irakkrieg), im Moment schätzt Obama, wie weiter oben schon erwähnt, die Kosten mit einer Billion Dollar ein.

Ob sich diese Aktion von George W. Bush also am Ende gelohnt hat, ist mehr als unsicher.

Eines ist allerdings klar: Solange die Vereinigten Staaten nicht die Wende zu alternativen, erneuerbaren Energien vollziehen (zum Beispiel der US-Politiker Al Gore, der im Jahre 2000 gegen George W. Bush, den ehemaligen Erdölmann aus Texas, kandidierte, fordert diesen ökologischen Umbau der US-Wirtschaft schon lange, siehe hierzu seinen Film: “An Inconvenient Truth“), können die USA keine andere Politik betreiben als diejenige, die schon seit Franklin Delano Roosevelt und dem Zweiten Weltkrieg absolute Priorität bei allen amerikanischen Präsidenten hatte: Die unbedingte, auch militärische und kriegerische Sicherung der Erdölreserven in der Golfregion für die USA. Der aktuelle, immer noch immens hohe Erdölverbrauch der U.S.A. lässt sich im Moment kaum anders sichern.

Creative Commons LizenzvertragMichael T. Klares “Blood and Oil” (2008) und die Vereinigten Staaten heuteKlaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

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