Zur aktuellen Situation des Printjournalismus: Perspektiven und das Internet als mögliche Lösung

Ich habe über zwanzig Jahre Erfahrung im deutschen Printjournalismus. Angefangen habe ich im Alter von 22 Jahren im Jahre 1987 bei der Badischen Zeitung in Freiburg als Feuilletonrezensent (anfänglich war ich vor allem Kritiker für den Bereich der U-Musik: Jazz, Blues, Rock, etc. Ich war damals Amateurmusiker, bzw. Tenorsaxophonist in einer Freiburger Jazzband).

Ich bin im Laufe der darauffolgenden Jahre zunehmend in überregionale Zeitungen eingestiegen und habe auch bei öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern Erfahrungen gesammelt.

Leider hat sich vor allem im Printjournalismus die Sache in den letzten beiden Jahrzehnten nicht zum Besseren entwickelt.

Seit ungefähr einem Jahrzehnt ist die Zeitungsbranche in einer schweren Krise: Dies liegt zum einen daran, dass die Online-Medien immer mehr Gewicht bekommen und zugleich die Anzeigenerlöse der Zeitungen und Zeitschriften seit langem systematisch am Schrumpfen sind.

Ein anderer Grund ist der Verfall der Lesekultur allgemein, der dazu führt, dass den Zeitungen vor allem im Bereich der jungen, nachwachsenden Lesergenerationen massiv Leserschichten wegbrechen.

Spiegel-Online hat ein eigenes Portal, in dem alle Spiegel-Online Beiträge zum Thema “Umbruch der Medienwelt” angeboten werden.

Mittlerweile sind selbst die berühmtesten und prestigeträchtigsten Flagschiffe der Zeitungsbranche wie die legendäre New York Times durch diese Krise schwer angeschlagen. Siehe hierzu einen Artikel aus der taz.

Zur Krise der “Washington Post” und der New York Times gibt es ebenfalls einen weiteren Artikel in Spiegel-Online, ebenso einen Artikel zum “Boston Globe”.

Insgesamt ist insbesondere die Zeitungslandschaft in den USA in einer schweren Krise.

Arthur Sulzberger Jr., der derzeitige Verleger der New York Times, kündigte sogar an, in einigen Jahren die Print-Ausgabe der New York Times einzustellen.

Eine Folge dieser finanziellen Krise ist der zunehmende Qualitätsverfall im Bereich der Printmedien. Vor allem für den zeit- und damit auch kostenaufwendigen Bereich der Recherche bedeutet die aktuelle Situation in vieler Hinsicht das Ende. Die Zeitungen haben heute personell und finanziell kaum mehr die Reserven zu eigenständiger Recherchearbeit. Insofern ist gerade der investigative Journalismus zunehmend in einer sehr schweren Krise.

Hinzu kommt, dass Journalisten, die für größere Zeitungen arbeiten, oft in ihren Möglichkeiten der Meinungsäußerung eingeschränkt sind. Dies liegt unter anderem daran, dass die Zeitungsverlage meist in den Händen von Großverlegern und Medienunternehmen sind, die den Journalisten in den Redaktionen oft Vorgaben hinsichtlich ihrer Meinungsgestaltung  gerade im Hinblick auf den Bereich Wirtschaft und Politik machen. Hinzu kommen die Interessen der Anzeigenkunden, die ebenfalls meist aus dem Bereich der Industrie und Wirtschaft kommen und von denen die Zeitungen in der aktuellen Situation mehr denn je abhängen.

Der wirtschaftspolitische Mainstream in Deutschland ist seit vielen Jahren der neoliberale, und bis auf die taz, die eine deutlich andere Finanzierungsstruktur hat und genossenschaftlich finanziert wird (siehe hierzu nochmals den Wikipedia-Artikel über “die tageszeitung“), gibt es in der deutschen Zeitungslandschaft meist nur sehr eingeschränkt Abweichungen von diesem neoliberalen Mainstream.

Zu dieser Dominanz der neoliberalen Sichtweise in den deutschen Zeitungen und Zeitschriften hat sich schon vor einigen Jahren Wolfgang Lieb in den Nachdenkseiten in aller Deutlichkeit geäußert. Siehe den entsprechenden Artikel von Wolfgang Lieb.

Die vier Großkonzerne Bertelsmann, Springer, Bauer und Burda beherrschen die veröffentlichte Meinung im deutschen Printjournalismus und sie sind alle vier neoliberal ausgerichtet.

Die Nachdenkseiten von Albrecht Müller und Wolfgang Lieb  gehören zu den unabhängigen Projekten im WWW, die versuchen, eine andere wirtschaftliche und politische Sicht der deutschen Verhältnisse zu bieten, die an die Vorstellungen des Keynesianismus und einer sozialeren Politik  anknüpft, wie wir sie historisch zum Beispiel zu Zeiten Willy Brandts und seines damaligen Bundesministers für Wirtschaft Karl Schiller hatten.

Insgesamt haben wir also in den Printmedien eine massive Krise und einen erkennbaren Qualitätsverlust.

Hinzu kommt auch ein Filz zwischen Politik, Verlegern und Chefredakteuren, der zur Einengung der Möglichkeiten der freien Meinungsäußerung der bei der Zeitung angestellten Journalisten führt.

Zur aktuellen Lage im Bereich der Printmedien gibt es einige gute Beiträge im “Deutschlandfunk” mit zahlreichen guten Links zu entsprechenden Zusatzinformationen. Wie es mit der Ausbildung zum Printjournalisten in Deutschland und dem Recherche-Journalismus aussieht, auch darüber berichtet der “Deutschlandfunk“.

Zu den möglichen Lösungen für dieses Dilemma folgendes: Eine gute Möglichkeit ist sicherlich, zusätzlich zu den Informationen aus den Printmedien zu Informationen aus dem Internet zu greifen.

Hier bieten sich nicht nur die erwähnten “Nachdenkseiten” an, sondern auch andere hochwertige deutsche Online-Publikationen wie zum Beispiel “Telepolis”.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, auf englischsprachige hochwertige Blogs auszuweichen.

In den USA selbst gibt einige prominente und intelligente Ökonomen, die Kritiker des neoliberalen Mainstream sind.

Wichtig sind hier natürlich die zahlreichen, informativen und oft auch kritischen Blogs der New York Times, eine Zeitung, die ich im Zusammenhang mit der US-Zeitungskrise schon erwähnt habe.

Über aktuelle wirtschaftspolitische Fragen informiert zum Beispiel ganz hervorragend der Blog des Ökonomen Paul Krugman. Paul Krugman hat neben vielen anderen Preisen auch im Jahre 2008 den Wirtschaftsnobelpreis erhalten. Er ist von der Tendenz her Keynesianer und ist gegenüber dem neoliberalen Mainstream insgesamt, nicht nur in den USA, kritisch. Paul Krugmans Blog in der New York Times beschäftigt sich dabei nicht nur mit der amerikanischen Wirtschaftspolitik, sondern mit der Wirtschaftspolitik weltweit. Gerade auch über China, Deutschland und Japan als führende Wirtschaftsnationen berichtet er öfters.

Ebenfalls gegenüber dem neoliberalen Mainstream sehr kritisch und keynesianisch orientiert ist der Ökonom Joseph E. Stiglitz. Er erhielt neben vielen anderen Auszeichnungen im Jahre 2001 den Wirtschaftsnobelpreis. Auch Joseph Stiglitz betreibt einen Blog, dem man viele interessante aktuelle wirtschaftspolitische Informationen entnehmen kann.

Im übrigen haben einige deutsche Journalisten, die für die Printmedien arbeiten, das Problem erkannt und nutzen schon jetzt bewußt die Möglichkeit, in das WWW auszuweichen und dort die Informationen anzubieten, die sie aus den schon genannten Gründen (Verlegerinteressen, Interessen der Anzeigenkunden, Filz zwischen Politik, Verlegern und Chefredakteuren) nicht in ihren Zeitungen veröffentlichen können.

So gibt es zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen einen Blog, den Journalisten betreiben, die erkannt haben, dass Journalisten unter den aktuellen Bedingungen ihre Arbeit oft nicht mehr anständig machen können, weil kritischer Journalismus nicht mehr erwünscht ist. In diesem Blog mit dem Titel “Wir in NRW” berichten dann Journalisten oft auch anonym und kritisch über die Verhältnisse in Nordrhein-Westfalen.

Der führende Kopf dieses Blogs ist Alfons Pieper. Der ehemalige, langjährige Stellvertretende Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), der zuletzt als Chefkorrespondent im WAZ-Hauptstadtbüro aus Berlin berichtete und heute wieder in Bonn lebt, betreibt mit einigen Kollegen zusammen dieses Blog. Erst vor einigen Tagen ist dieser Blog und Alfons Pieper mit dem Otto-Brenner-Preis für das Medienprojekt des Jahres  geehrt worden.

Eine andere gute Möglichkeit sich zu informieren ist YouTube (Der Wikipedia-Eintrag zu YouTube und der Wikipedia-Eintrag zum Webvideo allgemein).

Weshalb ist das so? Ganz einfach: Es gibt Leute in unserer Gesellschaft, die sich die Mühe machen, gute und kritische Fernsehsendungen zu brisanten und aktuellen Themen, die in Deutschland vor allem in den staatlichen Kanälen gezeigt werden (ARTE zähle ich hier als europäische Kooperation hinzu) aufzuzeichnen und auf YouTube hochzuladen.

Auch gute und kritische kommerzielle Filme zu brisanten und aktuellen Themen werden manchmal komplett hochgeladen, wobei hier natürlich ein Einverständnis der Filmproduktionsfirma vorauszusetzen ist (ansonsten wird die Filmproduktionsfirma diese YouTube-Beiträge schnell sperren lassen).

Normalerweise haben wir in der Medienlandschaft bisher immer den Effekt gehabt, dass die wenigen kritischen Fernsehsendungen zu brisanten und aktuellen Themen in der Hauptmasse der unkritischen und mittelmäßigen Fernsehsendungen zu eben denselben Themen “untergingen“.

Gerade die dominierenden Großkonzerne in der aktuellen Medienlandschaft (die entsprechenden deutschen Konzerne hat Wolfgang Lieb im obenstehend schon mal verlinkten Artikel der “Nachdenkseiten” genannt) spekulieren darauf, dass die wenigen guten und kritischen Gegenstimmen, die sich gerade auch in den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern artikulieren gegen die Masse der von ihnen gesteuerten und finanzierten Medien nicht ankommen.

YouTube gibt jetzt den Nutzern und damit indirekt der ganzen Gesellschaft die Möglichkeit, solche Sendungen dauerhaft zu konservieren und jederzeit abrufbar bereitzustellen.

YouTube ist also eine weitere gute Möglichkeit, gute und kritische Fernsehbeiträge und Filme zu aktuellen und brisanten Themen aufzuspüren. Es gibt aber noch zahlreiche andere Videoplattformen, die interessante Fernsehbeiträge und Filme anbieten.

Teilweise gibt es sehr hochklassige Videoplattformen, die interessante Videobeiträge über alle möglichen aktuellen und gesellschaftlich und global wichtige Themen sammeln. Die vielleichte beste Website dieser Art ist Fora.tv.

Fora.tv ist ein digitales Forum, das alle möglichen Videos über live events, Vorträge, Debatten an Universitäten, Think Tanks etc. sammelt. Siehe hierzu den Wikipedia-Eintrag zu Fora.tv.

Fora.tv wurde vom “Time Magazine” im Jahr 2009 in der Liste der besten 50 Websites weltweit verzeichnet. Siehe hierzu den Artikel mit dem Titel “50 Best Websites 2009” im “Time Magazine” und auch hier nochmals speziell den Eintrag “Fora TV“.

Fora.tv deckt in aller Breite alle wichtigen Themen aus Kultur, Ökonomie, Ökologie, Wissenschaft und Technologie ab. Wer will, kann sich hier auf sehr hochwertige Weise informieren.

Eine allgemeine Liste von “video-hosting websites” bietet Wikipedia. Besonders interessant ist hier eine Wikipedialiste von “educational video websites” (die auch Fora.tv einschließt):

Suche an. So etwas muss übrigens zeitlich nicht lange dauern, denn Google ist eine ungeheuer potente Suchmaschine, die von ihren Nutzern keine besonders spezialisierten Kenntnisse verlangt und im wesentlichen intuitiv bedient werden kann. Zu Google grundsätzlich der Wikipedia-Eintrag.

Trotzdem schadet es natürlich nichts, sich einmal über die verschiedenen Möglichkeiten der Google-Suche grundsätzlich zu informieren. Eine recht vernünftige und einfach zu verstehende Anleitung hat vor kurzem Computerbild.de seinen Lesern zur Verfügung gestellt. Google selbst stellt in seinem Hilfe-Bereich eine ausführliche Dokumentation über die Suchmöglichkeiten mit Google zur Verfügung.

Mit einer Google-Suche findet man zu den meisten aktuellen und interessanten Themen in der Regel schnell gute und (wenn es das Thema erfordert) auch kritische Beiträge. Diese Beiträge können dann ganz unterschiedlich aussehen: Online-Zeitungsartikel, Videobeträge auf Videoplattformen, schriftliche Beiträge, die auf den Websiten entsprechender Organisationen oder Institutionen liegen, die über das Thema informieren und zugleich auch oft mit der Erforschung eines bestimmten Themas beschäftigt sind.

Interessante Beiträge können manchmal aber auch auf privaten Websites von Einzelpersonen liegen. Im Fall eines kontroversen Themas wird man dann meist auch zahlreiche Pro- und Contrabeiträge finden. Im Fall solcher kontroversen Themen lohnt es sich immer, die Beiträge jeweils genau anzuschauen und auch darauf zu achten, wer diesen Beitrag erstellt hat und wer die betreffende Organisation, Institution oder Einzelperson ist und wer sie finanziert. Manchmal lohnt es sich auch in so einem Fall, die betreffende Organisation, Institution oder Einzelperson nochmals gesondert mit Google auszurecherchieren, um sich in den obengenannten Punkten Gewißheit zu verschaffen.

Grundsätzlich sollte man immer die Seriösität der Beiträge überprüfen und – wenn möglich – versuchen, mehrere inhaltlich gleichlautende Internetbeiträge in jeweils mehreren überprüfbar seriösen Websites zu finden, um möglichst sicherzugehen, dass die aufgefundene Informationen in diesen Beiträgen mit großer Wahrscheinlichkeit korrekt sind.

Ein guter Ausgangspunkt sind bei der Themenrecherche oft die entsprechenden Wikipedia-Artikel zum Thema, die oft viele weiterführende Links und das entsprechende Literaturverzeichnis am Ende des Artikels enthalten.

Ein Wikipedia-Artikel enthält in der Regel auch eine Liste der Einzelnachweise als Belegstellen für die im Wikipedia-Artikel gemachten Aussagen. Oft liegt diese Literatur und die entsprechenden Belegstellen dann in Form von Online-Artikeln und PDFs im Internet selbst vor, was dann im Wikipedia-Artikel auch meistens so nachgewiesen und entsprechend verlinkt wird.

Im übrigen enthält ein Wikipedia-Artikel auch meistens eine Liste von wichtigen Weblinks zu Organisationen oder Institutionen, die mit dem entsprechenden Thema in Zusammenhang stehen oder Informationen über eben dieses Thema bieten.

Von den Wikipedia-Artikeln aus kann man sich also – falls ein guter Wikipedia-Artikel vorliegt – in das entsprechende Thema produktiv vorarbeiten.

Insgesamt kann man also sagen, dass das WWW einer der Schlüssel zur Lösung des Dilemmas der Printmedien ist. Im Internet kann man problemlos die Dinge publizieren, die sich in den Printmedien oft nur mit Schwierigkeiten oder gar nicht unterbringen lassen.

Das Internet hat gegenüber den Printmedien weiterhin den Vorteil, dass die Publikationskosten im WWW sehr gering sind, während die Printmedien immer potente Geldgeber und eine üppige Finanzierung voraussetzen.

Eine Website oder einen Blog kann man mit sehr bescheidenen finanziellen Mitteln betreiben und man ist dabei grundsätzlich – von der finanziellen Ausgangssituation her – von keinen potenten Geldgebern und möglichen Interessengruppen abhängig.

Hier liegt eine große Chance des Internets für unsere Demokratie, die genutzt werden sollte.

Creative Commons LizenzvertragZur aktuellen Situation im deutschen Printjournalismus: Perspektiven und das Internet als mögliche LösungKlaus Gauger steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

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