Kaufen für die Müllhalde (2010)

Die Doku “Kaufen für die Müllhalde” der Regisseurin Cosima Dannoritzer aus dem Jahre 2010 hat es in sich. Diese Dokumentation befasst sich mit geplanter Obsoleszenz, der vom Hersteller absichtlich eingeschränkten Lebensdauer von Produkten, die den Absatz von Ersatzprodukten erhöhen soll.

Als ein Beispiel für diese Praxis wird in dieser Doku das Centennial Light (englisch hundertjähriges Licht) angeführt, die als die langlebigste Glühlampe der Welt gilt. Sie befindet sich in der Feuerwache der Stadt Livermore nahe San Francisco im US-Bundesstaat Kalifornien. Sie wird als ein möglicher Beleg für Absprachen unter Herstellern von Glühbirnen im Rahmen des weltweiten Phoebuskartells herangezogen, dessen Ziel es unter anderem war, die durchschnittliche Lebensdauer von Glühlampen auf 1000 Stunden zu beschränken. Das Phoebuskartell war ein Gebiets-, Normen– und Typenkartell, das im Dezember 1924 in Genf von den international führenden Glühlampenherstellern gegründet wurde.

Als weiteres Beispiel dienen die Nylonstrumpfhosen. Im Jahr 1935 entwickelte der US-amerikanische Chemiekonzern DuPont die erste Nylonfaser. Die anfänglich besonders resistenten Nylonstrumpfhosen wurden in den darauffolgenden Jahren zwecks schnelleren Verschleißes durch minderwertigeres und dünneres Material kurzlebiger gemacht.

Als weiteres Beispiel wird der Tintenstrahldrucker Epson Stylus C42UX präsentiert, der nach einer bestimmten Anzahl gedruckter Seiten eine Defektmeldung ausgibt, woraufhin die weitere Verwendung des Druckers verhindert wird.

Der kurzlebige Akku des iPod classic wird als Beispiel für geplante Obsoleszenz bei moderner Unterhaltungselektronik herangezogen.

Diese Doku präsentiert aber nicht nur historische und aktuelle Beispiele für Obsoleszenz. Sie zeigt auch die Folgen der Wegwerf- und Konsumgesellschaft, zum Beispiel in Afrika. Dort landet dann der ganze unbrauchbare und frühzeitig funktionsunfähig gewordene Elektronikschrott der reichen Länder auf riesigen Müllhalden, die ökologisch für diese afrikanischen Länder eine große Belastung sind.

Es ist erstaunlich, dass sich nicht mehr Konsumenten gegen diese Praxis der Obsoleszenz wehren, die uns dazu verdammt, kurzlebige und modische Produkte zu kaufen, nur um das ökonomische Wachstum und eine trashige Konsumgesellschaft am Laufen zu halten. Das ist ökologisch und wirtschaftlich widersinnig. Viele dieser Wegwerfprodukte enthalten wertvolle Rohstoffe. Jeder Europäer produziert im Schnitt pro Jahr 20 Kilogramm Elektroschrott. In Europa fallen auf diese Weise 20 Millionen Tonnen Elektroschrott an, 50 Millionen Tonnen weltweit. Ein Großteil davon landet im Müll. Nach Angaben der EU werden allein dadurch Ressourcen im Wert von 2 Milliarden Euro jährlich vernichtet. Eine andere Zahl veranschaulicht das Phänomen: Die 1,5 Milliarden Handys, die 2010 weltweit verkauft wurden, enthalten zusammen rund 14 Tonnen Palladium, 36 Tonnen Gold und 375 Tonnen Silber. Obwohl in der EU seit 2005 Rücknahme und professionelles Recycling gesetzlich vorgeschrieben und eingepreist sind, landet ein großer Teil davon, wie die Recherchen für “Kaufen für die Müllhalde” ergeben haben, nach wie vor auf illegalen Müllkippen in Afrika oder China.

Der Film wurde im Januar 2012 im Rahmen eines Arte Themenabends ausgestrahlt und ist in mehreren Versionen als Video im WWW aufzufinden, zum Beispiel in Vimeo und in YouTube. Wer einmal einen kritischen Blick auf den industriellen Geräte- und Warenkosmos werfen will, der uns tagtäglich umgibt, dem sei diese Dokumentation anempfohlen.

Die Regisseurin Cosima Dannoritzer hat mit dem Journalisten Jürgen Reuß ein gleichnamiges Buch “Kaufen für die Müllhalde” herausgegeben, in dem das Thema nochmals in Textform präsentiert wird. Ein Interview vom Mai 2013 mit Jürgen Reuß findet man im Netzmagazin Telepolis unter dem Titel Kaufen für die Müllhalde.

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